Foris finanziert Klagen gegen AWD

11. Februar 2009, 19:28
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Verein für Konsumenteninformation klagt den Finanzberater - 4.500 ÖsterreicherInnen könnten sich anschließen

Der Verein für Konsumenteninformation wird mit dem deutschen Prozesskostenfinanzierer Foris die gegen den Finanzdienstleister AWD geplanten Sammelklagen durchziehen. Geschätzter Schaden: 45 Millionen Euro.

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Wien - Der Verein für Konsumenteninformation wird bei den geplanten Sammelklagen gegen den Finanzdienstleister AWD mit dem deutschen Prozesskostenfinanzierer Foris zusammenarbeiten. "Wir haben uns für Foris entschieden, weil wir mit unserem Anwalt und Foris gemeinsam das Instrument Sammelklage nach österreichischem Recht erfunden und bereits erfolgreich durchgeführt haben", sagte VKI-Rechtsexperte Peter Kolba dem Standard.

Im Zug einer Sammelaktion des VKI hatten sich 4500 AWD-Kunden gemeldet, die sich beim Kauf von Immofinanz-Aktien falsch beraten fühlten. Den dadurch entstandenen Schaden schätzt Kolba auf mehr als 45 Millionen Euro. Der VKI wird nun in den nächsten Tagen allen Beschwerdeführern anbieten, sich an einer der geplanten Sammelklagen zu beteiligen, eine Entscheidung dazu ist bis Ende März möglich. Der VKI will dann ähnliche Sachverhalte zusammenfassen und rechnet im Mai mit der ersten Klage.

Etwa 500 der AWD-Beschwerdeführer haben laut Kolba eine Rechtsschutzversicherung, an die sie sich wenden sollten. Eine Prognose, wie viele der restlichen 4000 Geschädigten sich an den VKI-Klagen beteiligen werden, wagte Kolba nicht. Die AWD-Klagen könnten aber das größte Zivilverfahren der Zweiten Republik werden. Im bisher größten, dem WEB-Prozess in Salzburg, hatte der VKI für 3200 Kleinanleger geklagt.

Die Auswertung der Beschwerden über den AWD hatte ergeben, dass AWD-Berater seit Anfang der Neunzigerjahre Immofinanz-Aktien als besonders "sicheres und ertragreiches" Produkt angepriesen hatten, oft sogar unter Berufung auf Gutachten als "mündelsicheres Investment". In vielen Fällen sei auch das gesamte disponible Vermögen der AWD-Kunden in Immobilien-Aktien veranlagt worden, die noch dazu bei manchen Beratungsgesprächen fälschlich als Immobilienfonds bezeichnet worden seien. Als die Immofinanz-Papiere massiv an Wert verloren, hätten AWD-Berater offenbar bis zum Schluss geraten, die Aktien zu behalten oder sogar vorgeschlagen, weitere zu kaufen, so Kolba.

Kein Prozesskostenrisiko

Bei einer Beteiligung an den VKI-Klagen tragen die Betroffenen kein Prozesskostenrisiko. Im Falle eines Erfolges geht aber eine Quote des erstrittenen Betrages an Foris. Bei diesen Quoten werde es eine Staffelung geben, sagte Kolba. Sollte es außergerichtliche Einigungen geben, erhalten die Beschwerdeführer am meisten. Muss der Instanzenweg beschritten werden, steige die Quote für Foris. Die Details will Kolba erst veröffentlichen, wenn der VKI sein Informationsschreiben verschickt hat.

Während die VKI-Sammelaktion bereits abgeschlossen ist, können sich AWD-Geschädigte beim Prozesskostenfinanzierer Advofin weiterhin melden. Auch Advofin bereitet Sammelklagen vor, die aber breiter aufgestellt werden und gegen den AWD und Immofinanz oder Immoeast gerichtet sein werden. Die Schadenersatzansprüche können allerdings nur einmal abgetreten werden, sagte Kolba, die Immofinanz-Aktien seien dann im Lauf des Verfahrens gegen Zahlung des Kaufpreises herauszugeben oder vor Prozessbeginn zu verkaufen, um den Differenzschaden zu bekommen.

Der AWD empfiehlt seinen Kunden weiterhin, mögliche Beratungsfehler mit dem Unternehmen abzuklären. "Wir werden diese Fälle schnellstmöglich bearbeiten und bei eventuellen Beratungsfehlern umgehend Lösungen anbieten", erklärte AWD-Österreich-Geschäftsführer Kurt Rauscher. (Gabriele Kolar, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12.02.2009)

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