Generaloberer der Pius-Bruderschaft distanziert sich von Williamson

10. Februar 2009, 19:31
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Fellay entzog dem Holocaust-Leugner Leitung von Priesterseminar - Kritik am Verhalten der deutschen Bischöfe

Hamburg - Der Generalobere der konservativen Pius-Bruderschaft, Bischof Bernard Fellay, hat in einem Interview von "Spiegel online" den Holocaust-Leugner Richard Williamson zum Widerruf aufgefordert. "Er soll nun schnell die historischen Fakten studieren und seine falschen Aussagen korrigieren. Je schneller, umso besser", habe Fellay in seinem schriftlichen Statement auf telefonisch gestellte Fragen geantwortet, schreibt "Spiegel online" am Dienstag.

Fellay erklärte, nachdem er Williamsons Interview für das schwedische Fernsehen gesehen habe, habe er ihn sofort aufgefordert, "diesen Unsinn zu korrigieren. Dazu hätte es keiner päpstlichen Aufforderung bedurft". Der 50-Jährige gibt an, Williamson bereits am 31. Jänner als Leiter des Priesterseminars im argentinischen La Reja abgesetzt "und ihm öffentliche Auftritte ohne meine Erlaubnis untersagt" zu haben.

Williamson ist einer von vier Bischöfen der ultrakonservativen Piusbruderschaft, deren Exkommunikation Papst Benedikt XVI. zurückgenommen hatte. Der aus Großbritannien stammende Bischof hatte in dem Fernsehinterview die millionenfache Ermordung von Juden durch die Nazis geleugnet und behauptet, es habe keine Gaskammern in den Konzentrationslagern gegeben.

Fellay, der ebenfalls zu den vier Geistlichen gehört, deren Exkommunikation der Papst aufgehoben hatte, übte scharfe Kritik am Verhalten der deutschen Bischöfe. "Die deutschen Bischöfe fordern von uns, ihre Konzepte anzuerkennen. Gleichzeitig laufen ihnen die Gläubigen weg und sie haben keinen Nachwuchs. Wir haben unsere Konzepte und viele junge Familien", sagte er. Mitglieder der Deutschen Bischofskonferenz hatten sich von der Entscheidung des Papstes distanziert und eine Beschädigung des interreligiösen Dialoges befürchtet. Dazu schrieb Fellay: "Die Bischöfe bedauern, dass die jüdischen Organisationen mit ihnen keinen Dialog mehr machen wollen. Wenn der Niedergang so weitergeht, hat sich der Dialog von selbst erledigt, weil es keine Kirche mehr geben wird." (APA/dpa)

 

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