"Roboter scheitern an ihrem Weltbild"

10. Februar 2009, 19:01
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Um autonom agieren zu können, müssen Roboter noch einiges von der Welt lernen, sagt Gerald Steinbauer von der TU Graz im STANDARD-Interview

STANDARD: Roboter können bereits staubsaugen, Fußball oder ein Musikinstrument spielen. Kann ein Roboter mehr als eine Art Spielzeug werden?

Steinbauer: Wir sind gerade in einer Umbruchphase. Industrieroboter, die relativ unflexibel und unintelligent sind, gibt es schon lange. Auch Staubsaugerroboter verwenden großteils Forschungsergebnisse aus den 1970er-Jahren. Die technologische und methodologische Entwicklung der letzten Jahre, aber auch Wettbewerbe wie der RoboCup, haben neue Forschungen im Bereich der Robotik stimuliert, die allerdings noch nicht sofort in Produkte münden. Die Prototypen sind aber sehr vielversprechend. Es tut sich was.

STANDARD: Wo hapert es in der Umsetzung?

Steinbauer: Ein Roboter muss die Umgebung wahrnehmen, sich darin zurechtfinden und interagieren. Hauptknackpunkt unserer derzeitigen Forschungen ist daher das Problem der Wahrnehmung oder "scene understanding", das heißt einem Roboter beizubringen, wie er unter verschiedensten Bedingungen eine Szene erfasst. Daneben wird die Entwicklung kognitiver Fähigkeiten immer wichtiger. Nur ein Bild gut auszuwerten reicht nicht.

STANDARD: Wie gehen Sie vor, um Roboter intelligenter zu machen?

Steinbauer: Wir arbeiten an der robusten Steuerung von Systemen, das heißt Roboter zu entwickeln, die sich in unbekannten Situationen zurechtfinden, für die sie keine vorgefertigten Reaktionsmuster haben. Das ist besonders wichtig, wenn etwa Fehler in der Soft- oder Hardware auftreten und der Roboter trotzdem sein Ziel erreichen soll, wenn auch mit einer ande- ren Art der Herangehensweise. Schließlich kommt es darauf an, zuverlässige, vertrauenswürdige Roboter zu schaffen, die ihren Job machen und niemanden gefährden, wenn man sie in der freien Wildbahn einsetzt. Aktuell beschäftigen wir uns mit Entscheidungsfindung von Robotern, die bestimmte Zielvorgaben und Informationen haben. Roboter scheitern meist aufgrund eines inkonsistenten Weltbildes, weil die interne Repräsentation der Welt nicht mit der Realität übereinstimmt. Wir sind dabei, Mechanismen zu entwickeln, um dem Robotern zu ermöglichen, autonom auf solche Situationen zu reagieren.

STANDARD: Wie wichtig ist es, dass Roboter vermenschlicht werden, also auch Gefühle haben und zeigen können?

Steinbauer: Das wird sehr wichtig sein, denn man muss neue Wege finden, um mit den Maschinen zu interagieren, nicht nur mit Worten, sondern auch nonverbal und mit Gesten. Auf diesem Gebiet wird derzeit sehr viel ausprobiert. (Karin Krichmayr/DER STANDARD, Printausgabe, 11.02.2009)

Zur Person
Gerald Steinbauer (35) ist Universitätsassistent am Institut für Softwaretechnologie der TU Graz und Organisator des RoboCup 2009, der heuer in Graz stattfinden wird. Sein Forschungsschwerpunkt sind autonome mobile Roboter.

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