Eine geballte Ladung Iran zum Revolutionstag

10. Februar 2009, 18:54
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Rund um den 30. Jahrestag der Islamischen Revolution im Iran hat Arte dem Thema beinahe den ganzen Sendetag gewidmet

So ein runder Revolutionstag hat zumindest den Vorteil, dass einem im Fernsehen geballt geboten wird, was man sich sonst mühsam zusammensuchen muss: Filme und Dokus aus und über den Iran. Arte hat dem Thema am Mittwoch anlässlich des 30-Jahre-Jubiläums der Islamischen Revolution beinahe den ganzen Sendetag gewidmet - an dessen Inhalten man, wenn man denn dazu bereit ist, auch die eigenen Urteile abtesten kann. Vor allem, ob das zurzeit medial vielgebrauchte Wort "mittelalterlich" (welches denn eigentlich?) die Situation adäquat beschreibt.

Frauen im Fokus

Bestätigungen der Schrecklichkeiten eines Lebens unter einem religiösen Regime, besonders für Frauen, gibt es da genug - wobei genau diese eigentlich auch das Scheitern einer Ideologie bedeuten, die totalitär um sich schlägt. Erwischen tut es nicht die reichen Partykinder in Nordteheran, die auf den islamischen Staat pfeifen, sondern die Schwachen aus Unterschicht und Provinz. "Der Kreis" ("Dayereh") dreht sich wortwörtlich um die Haftentlassenen, die Ehebrecherinnen, die schwangeren Gefängnisinsassinnen, die Frauen, die ihre Kinder aussetzen, die Prostitutierten. Oder auch nur um Frauen, die das "falsche" Kind gebären: ein Mädchen.

Andere Beiträge widmen sich Sex and Crime in der iranischen High Society ("Tod und Liebe in Teheran"), der bedeutendsten Sammlung westlicher Kunst in Asien, die im Keller des Museums für Moderne Kunst in Teheran vor sich hindämmert ("Die unglaubliche Geschichte des MoMA aus Teheran"), aber auch, besonders wichtig vor den kommenden Präsidentschaftswahlen, dem Phänomen Mahmud Ahmadi-Nejad ("Briefe an Ahmadi-Nejad, iranischer Präsident").

Geschichte des Iran im 20. Jahrhundert

Am Abend gibt es eine große politische Dokumentation mit spannendem Archivmaterial und Interviews über die Geschichte des Iran im 20. Jahrhundert ("Iran, der Wille zur Großmacht"): das "große Spiel", das der Iran zwischen Großbritannien und Russland mitzuspielen gezwungen ist, die wichtiger werdende Rolle des Klerus, der 1906, bei der "Konstitutionellen Revolution", an Bord ist.

Die Schläge gegen die demokratische Entwicklung im Iran kommen von allen Seiten: Die Rolle des CIA beim Putsch gegen Mossadegh 1953 mag im Lichte des Kalten Kriegs verständlich(er) sein, aber begonnen hatte die ganze Sache ja doch eindeutig mit dem westlichen Durst nach Öl. Ob der Westen je realisiert hat, was das alles für die Iraner und die spätere Entwicklung des Landes bedeutete, ist zu bezweifeln.

Die USA "schlossen die Lücken", die die Briten hinterließen. Der Schah, dessen wachsende Extravaganzen (etwa seine Rede an König Kyros zu seinem 30-jährigen Thronjubiläum 1971) aus heutiger Sicht nur mehr als verrückt bezeichnet werden können, finanziert die US-Rüstungsindustrie und spricht gleichzeitig klare Worte zu seinen "Freunden": "Wenn uns das Öl ausgeht, seid ihr tot." (Gudrun Harrer/DER STANDARD; Printausgabe, 11.2.2009)

Mittwoch von 10.10 bis 0.55, Arte

  • "Der Kreis": Nargess, haftentlassen, will nach Hause, es scheitert am Ausweis.
    foto: arte

    "Der Kreis": Nargess, haftentlassen, will nach Hause, es scheitert am Ausweis.

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