Der Mensch in der Maschine

10. Februar 2009, 18:53
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Weltweit wird an der Entwicklung feinfühliger und intelligenter humanoider Wesen getüftelt, die ein interaktives Zusammenleben zwischen Mensch und Maschine ermöglichen sollen

"Rumbi" ist schon fast ein Familienmitglied. Er wird liebevoll "mein kleiner Schatz" genannt, sorgt regelmäßig für Begeisterung bei Gästen - und für einen lupenreinen Boden. Seine Besitzer empfinden Mitleid, wenn sich Rumbi versehentlich im Bad einsperrt und dort saugt und saugt, bis ihm der Saft ausgeht. Auch wenn sie ihn nie gegen eine menschliche Reinigungskraft eintauschen würden, bedauern sie doch, dass der scheibenförmige Saugroboter nicht sprechen kann und auch nicht verstehen will, dass er nicht zu nahe an den Wäscheständer fahren sollte, da er sich dort regelmäßig verheddert. Doch die Hoffnung besteht, dass sich auch das in Zukunft ändert.

"Rumbi" ist jedenfalls nicht allein. Die Beziehungen, die Menschen zu ihren künstlichen Helfern aufbauen, sind vielfältig, wie eine Umfrage des Georgia Institute of Technology in Atlanta unter 400 Besitzern des Saugroboters Roomba zeigt. Demnach werden den Putzgehilfen nicht nur Namen und Geschlecht verpasst, auch Kostüme oder anderweitige Dekorationen seien nichts Ungewöhnliches.

Dadurch wird aus einem Gadget ein individuelles Wesen, das mit mehr Respekt behandelt wird, wie die Forscher betonen. Mit Studien wie diesen soll herausgefunden werden, inwieweit Menschen Beziehungen mit Robotern eingehen und sie mehr als Partner denn als Maschinen akzeptieren wollen. Die Ergebnisse wiederum sollen Designer inspirieren, Roboter zu kreieren, die die soziale Interaktion mit dem Menschen erleichtern.

Damit vollzieht sich ein stetiger Wandel zur Vermenschlichung der Maschinenwesen. Seit der tschechische Autor Karel Èapek den Begriff Roboter 1921 in seinem Stück Rossum's Universal Robots publik gemacht hat, blühen die zum Teil fantastischen Erwartungen, dass Roboter im ursprünglichen Wortsinn (tschechisch "robota"=Fronarbeit) all jene Tätigkeiten übernehmen, die den Menschen von all der unangenehmen Plackerei befreien. Tatsächlich finden sich Roboter heute überall, wo es gefährliche, monotone oder präzise Jobs zu erledigen gibt: Sie bauen Autos zusammen, entschärfen Bomben und Minen, erkunden Unterwasserwelten oder ferne Planeten, dienen der militärischen Aufklärung oder führen medizinische Eingriffe durch.

Roboter sollen aber künftig auch das Alltags- und Berufsleben erleichtern: Weltweit wird in Forschungslaboratorien an humanoiden Robotern getüftelt, die als Unterhalter, Pflegekräfte, Heimhilfen, Sekretäre oder Securitys eingesetzt werden können.

Team-Arbeit

"Die Gestaltung der Interaktion, also der Schnittstelle zwischen Roboter und Mensch, ist ein sehr junges Feld", sagt Manfred Tscheligi von der Human Computer Interaction and Usability Unit des ICT&S Center der Uni Salzburg. Im EU-Projekt Robot@CWE entwickeln Tscheligi und ein Team aus den Bereichen Mensch-Computer-Interaktion, künstliche Intelligenz, Robotics, Soziologie und Psychologie Konzepte für humanoide Roboter, die in kollaborativen Settings mit Menschen zusammenarbeiten.

Szenarien dafür sind eine Baustelle, auf der Teams aus Menschen und Robotern ein Haus bauen oder die gemeinsame Abwicklung von Weltraumeinsätzen. Konkrete Aktivitäten mit Robotern, wie etwa das Tragen von Brettern, sind jedoch derzeit noch auf wenige Handgriffe in kontrollierter Umgebung beschränkt.

"Es geht darum, jene Aspekte zu finden, die zu einer höheren Akzeptanz von Robotertechnologie führen, und zwar bei verschiedenen Zielgruppen wie älteren Menschen und Jugendlichen", erklärt Tscheligi. In Feldstudien wird getestet, welche Formen der sozialen Bindung sich entwickeln und welche Parameter sowohl im Verhalten als auch im Aussehen der Roboter ein zufriedenstellendes Zusammenleben ermöglichen.

Damit Roboter im Umgang mit dem Menschen feinfühliger werden, sollen sie in Zukunft mithilfe künstlicher Intelligenz lernfähig werden und durch Beobachtung menschliche Fähigkeiten erwerben. Forscher an der schottischen Robert-Gordon-Universität setzen dabei auf Roboterevolution nach menschlichem Vorbild: Sie haben einen Roboter immer neue Fortbewegungsmethoden erlernen lassen, indem die Software ähnlich dem Gehirn automatisch mit der Hardware "mitwächst". Auch was Mimik und Bewegungsabläufe betrifft, wurden bereits verblüffend menschlich wirkende Roboter geschaffen, die eine Bandbreite von Gefühlen zeigen können.

Wissenschafter an der Roboterschmiede der Carnegie-MellonUniversität in Pittsburgh hingegen arbeiten in dem Projekt "Claytronics" an sandkorngroßen Minirobotern, die nach dem Vorbild sozialer Insekten miteinander kommunizieren und, millionenfach zusammengeschlossen, jedes beliebige Ding detailgetreu nachbilden können, vom Möbel bis hin zur Replikation eines Menschen.

Am nächsten ist man der verheißungsvollen Zukunft in Japan, dem Land mit der höchsten Roboterdichte: Dort bereiten intelligente Maschinen längst Sushi zu, pflanzen Reis und helfen in Seniorenheimen. Laut dem World Robotics Report 2008 sind die Roboter im Kommen: Ihre Population soll von heute 6,5 Millionen auf 18,2 Millionen im Jahr 2011 anwachsen. (Karin Krichmayr/DER STANDARD, Printausgabe, 11.02.2009)

  • Tanzen statt arbeiten: Der Roboter soll künftig akzeptierter Partner, Unterhalter und künstlicher Kompagnon in allen Lagen werden.
    illustration: standard/fatih aydogdu

    Tanzen statt arbeiten: Der Roboter soll künftig akzeptierter Partner, Unterhalter und künstlicher Kompagnon in allen Lagen werden.

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