Tower Defense: Die neuen Süchtigmacher

13. Februar 2009, 17:32
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Vom Browser-Game bis zum Konsolen-Hit, das Prinzip des Tower Defense macht süchtig - Drei Highlights im Überblick

Wer die ewig fallenden Klötze von Tetris noch in Erinnerung hat, dem wird beim Gedanken daran möglicherweise ein Schauer über den Rücken laufen. Nicht, weil das Spiel damals auf dem Gameboy so wahnsinnig viel Freude bereitete, sondern weil unzählige Stunden damit verbracht wurden, Bausteine aneinander zu reihen, um sie dann vom schummrigen Bildschirm verschwinden zu sehen. Ja, damals, als der Vater einen durch die vielen Sehenswürdigkeiten zerrte oder die Gattin im Auto begeistert von der schönen Landschaft links und rechts schwärmte. Was hatte man nicht alles geopfert, um den nächsten Highscore zu landen.

Jahre später droht nun eine weitere Gattung der Süchtigmacher wertvolle Momente für sich zu vereinnahmen. Das Prinzip des "Tower Defense" ist zwar ebenfalls nicht mehr neu, doch dank Handy- und Konsolen-Portierungen zurzeit populärer denn je.

Spielprinzip

Von Punkt "A" weg laufen mehr oder minder hübsch gestaltete Käfer, Soldaten oder Vehikel über das Spielfeld, die mit allerlei Abwehrtürmen aufgehalten werden müssen, bevor sie bei "B" ankommen. Punkt "B" muss beschützt werden, kommen zu viele Einheiten durch, hat man verloren. Für jede abgewehrte Gefahr erhält man Geld, das wiederum aufgewendet wird, um neue Türme zu bauen. Die Menge und stärke der Einheiten nimmt kontinuierlich zu. In der Fülle der Variationen sind dem Typ der Einheiten und Abwehrmechanismen dabei keine Grenzen gesetzt.

Ob als Gratis-Game für Webbrowser, als Handy-Spiel oder als Konsolen-Titel droht das gefährlichste aller Genres wieder massig Zeit zu vernichten. Der WebStandard hat sich drei aktuelle Genre-Highlights angesehen. Suchtanfälle monieren Sie aber bitte nicht bei uns.

foto: hersteller

Gratis und am besten während der Arbeitszeit

Exemplarisch für die unzähligen Abwandlungen unter den Browser-Games, sei Warzone – Tower Defense von Mad Cow Interactive empfohlen. In schlichter, aber übersichtlicher 2D-Grafik hält es eine Vielzahl von Szenarien bereit. Unterschiedlich stark gepanzerte und verschieden schnelle Fahrzeuge rollen heran, um den Radarturm zu zerstören. Auch Flugzeuge machen einem das Leben schwer.

Zur Abwehr steht eine reichhaltiges Waffenarsenal bereit. Vom Maschinengewehr, über den Mörser bis hin zur Plasma-Kanone, ist es einem offen, seine Basis zu verteidigen. Gegenaufpreis können die Geschütze aufgewertet werden. Wird es brenzlig, darf man auch zur Bombe greifen. Mit Blockaden lassen sich die anstürmenden Truppen über Umwege leiten.

Besonders hervorzuheben bei Warzone ist die breite Auswahl an Karten und Spielmodi. Wer es zu Beginn etwas leichter haben möchte, kann so etwa ein größeres Startkapital anfordern. Gefinkelter wird es, wenn man die Anzahl an Abwehrtürmen auf 20 Stück beschränkt.

foto: hersteller

Fürs Handy, am besten auf dem Weg nachhause

In der Hitliste der Handy-Games ganz oben zu finden, ist das iPhone- und iPod Touch-Spiel Fieldrunners von Subatomic Studios. Das Time Magazine reihte es 2008 sogar unter die zehn besten Spiele des Jahres.

Hier sticht die exzellente Umsetzung für Touchscreens heraus. Einfach mit dem Zeigefinger lassen sich die Türme platzieren, während Soldaten, Panzer, Motorräder und Helikopter anrauschen. Wer sich beweisen möchte, muss die passende Kombination aus Geschützen und Schleimkanonen, die Einheiten verlangsamen, herausfinden. Wahlweise kann mit offenem Ende oder auf 100 Einheiten-Wellen gespielt werden.

Fieldrunners ist für 3,99 Euro im AppStore erhältlich, die regelmäßigen Updates sind kostenlos.

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Für die Konsole, am besten statt dem Kuscheln vor dem Fernseher

Wer es gerne etwas bombastischer hat, kann zu Savage Moon von FluffyLogic (SCEE) greifen. Der Download-Titel für PlayStation 3 bietet Tower Defense mit den Produktionsqualitäten eines ordentlichen Konsolenspiels.

Auf fiktiven Planeten bedrohen in Anlehnung an "Starship Troopers" Massen an Alien-Insekten menschliche Basisstationen. Neben der schicken 3D-Grafik unterscheidet sich Savage Moon vor allem durch ausgefeilteres Leveldesign und tiefergehende strategische Elemente. Beispielsweise können Geschütztürme nicht überall hingepflanzt werden und die Käfer schlagen auch zurück. In den 12 Missionen kiefelt man nicht nur an der passenden Bestückung der Abwehrtürme (Mörser, Laser, FLAK und MG,) sondern kann als Befehlshaber auch bestimmen, ob die Gerätschaft größeren Schaden hinterlässt, robuster gegen Angriffe ist oder pro Abschuss mehr Geld generiert. Die Welten wirken etwas karg, sorgen aber für reichlich Abwechslung. Die 12 Insektenarten sind mit mehr Liebe zum Detail gestaltet worden und sehen schön widerlich aus.

Die Steuerung mit dem Gamepad ist gut gelungen. Savage Moon ist für 7,99 Euro im PSN Store erhältlich.

Highscore ohne Ende

Ein paar Tipps zum Schluss: Wer lange überleben will, sollte sich im Vorfeld eine passende Strategie zurechtlegen. Legen Sie Ihre Defensive so an, dass die anstürmenden Einheiten einen möglichst langen Weg zurücklegen müssen und die Radien der Gefechtstürme ausgenutzt werden.

Sollte es mit der Top-Platzierung in den Bestenlisten dann doch nicht klappen, ärgern Sie sich nicht. Eine alte Tetris-Weisheit tröstet: Wer ganz oben ist, hat weniger vom Leben.

(Zsolt Wilhelm, derStandard.at, 10.2.2009)

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