Pleitewelle rollt auf die Ukraine zu

10. Februar 2009, 17:36
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Fremdwährungskredite sind ausfallgefährdet

Moskau - Vor einem halben Jahr war die Welt für die Ukrainer noch in Ordnung. Die Wirtschaft wuchs mehr als sechs Prozent. Die Einkommen stiegen nominal um 44 Prozent. Die Banken lockten mit günstigen Krediten in US-Dollar. Viele Ukrainer schlugen zu, um sich den Traum vom eigenen Auto oder einer Eigentumswohnung zu erfüllen. Auch die Kiewer Managerin Oxana Bogdanowa, die mit einem Dollarkredit ein Auto kaufte.

"Für uns ist es jetzt gleich doppelt schwierig, die Kredite zurückzuzahlen", erzählt Bogdanowa. Denn zu den steigenden Zinsen der Banken kommt nun auch der Wertverfall der ukrainischen Landeswährung Griwnja, durch den sich die Fremdwährungskredite massiv verteuerten. Analysten gehen davon aus, dass die Griwnja noch weiter abwerten wird. Im Mai könnte ein Dollar statt derzeit rund zehn Griwnja rund zwölf bis 15 Griwnja wert sein. Im Sommer stand der Dollar noch bei fünf Griwnja.

Doch für die meisten Ukrainer ist die Zinslast heute schon zu groß. Es kommt derzeit bereits öfters vor, dass die Leute mit ihrem Auto vor der Bank vorfahren, ihren Schlüssel abgeben und sagen "Danke, es war eine Freude, einige Monate mit diesem Auto fahren zu dürfen", erzählt Bogdanowa.
Die Managerin kann sich jedoch noch glücklich schätzen. Sie hat einen Job. Derzeit sind in der Ukraine rund eine Million Menschen arbeitslos. Experten rechnen damit, dass diese Zahl innerhalb der nächsten Monate auf vier Millionen Arbeitslose steigen könnte. In vielen Unternehmen wurde auch bereits Kurzarbeit eingeführt oder die Löhne gekürzt. Bei sinkenden Einkommen und steigender Zinslast wird es für private Haushalte und Unternehmen immer schwieriger, ihre Kredite zu bedienen.

Laut Igor Burakowski, Direktor des Instituts für Wirtschaftsforschung und Politberatung, liegt der Anteil der nichteinbringlichen Kredite derzeit bei rund 25 Prozent. Der Kiewer Wirtschaftsexperte geht davon aus, dass sich Anzahl der ausfallgefährdeten Kredite noch erhöhen wird. Noch im September lagen die Problemkredite bei drei Prozent.

Vasily Astrov vom Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (WIIW) rechnet damit, dass es in nächster Zeit zu einer Welle von Unternehmens- und Privatkonkursen kommen wird. "Die Regierung wird eingreifen müsssen, um die schädlichen Auswirkungen abzufedern", sagte Astrov.
Doch der ukrainische Staat steht selbst mit dem Rücken gegen die Wand. Zwar hat der Internationalen Währungsfonds der Ukraine einen Kredit in Höhe von 16,5 Milliarden US-Dollar zugesichert, allerdings ist unklar, ob das Land angesichts eines Budgetminus von drei Prozent die nächsten Tranchen ausbezahlt bekommt.

Österreichs Banken, die in der Ukraine tätig sind, gehe die Lage an die Substanz, berichtete die ZiB 1. In der Ukraine seien zehn Milliarden Euro an Krediten ausständig, sechs Milliarden davon entfielen auf Raiffeisen. (Verena Diethelm aus Moskau, DER STANDARD, Printausgabe, 11.2.2009)

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