Zum Ersten, zum Zweiten - dong

19. Februar 2009, 16:50
1 Posting

Vasen, Teller, Porzellanfiguren - Zum kleinen Glück braucht es oft nur wenig Zeit, wenig Geld und etwas Glück

Von Hektik keine Spur. Kurz vor 14 Uhr füllt sich der Saal im Wiener Dorotheum. "Kleinkunst" steht auf dem Versteigerungsprogramm.

Zwischen 30 und 40 Menschen sind gekommen, etwa die Hälfte von ihnen wird mitbieten. Porzellanfiguren, Vasen, Speise-Services, Heiligenstatuen, Besteck, bishin zu nippesähnlichen Ziergegenständen suchen einen Abnehmer. Im Schnitt bewegt sich der Kaufpreis zwischen 100 und 400 Euro.

Nach Verlesung der Geschäftsbedingungen geht alles ruckzuck. Bieternummern werden in die Höhe gehalten, Finger zucken leicht, manchmal reicht ein dezentes Nicken mit dem Kopf. Der Handel fließt - Publikum und Auktionator wirken fast wie ein eingespieltes Team und nicht wie eine Zufalls-Bekanntschaft.

Ob physisch anwesend, am Telefon oder durch einen Sensal vertreten, die Gegenstände wechseln ihren Besitzer binnen weniger Sekunden. 350 Euro zum Ersten, zum Zweiten, 350 Euro zum - Glockenton - Dritten.

Die Bieter kennen sich aus, denn die an die Wand projizierten Objekte dienen eher als Kulisse denn als Orientierungshilfe. Sie werden weder detailliert beschrieben noch bleibt Zeit, sie eingehend zu studieren. Dafür gibt es Kataloge oder das Internet. Ding, ding - dong. 160 Euro zum Ersten, zum Zweiten - 160 Euro zum Dritten für die Dame neben der Tür.

Die Gegenstände der Auktion stellen ein Potpourri aus zumeist Alt-Wiener-Antiquariat dar. Jedes einzelne Stück scheint eine ganze Lebensgeschichte zu kennen, scheint aus der Wohnung seines Vorbesitzers förmlich entrissen, so vertraut wirken die Gegenstände. Ein sitzender Porzellandackel, Marke 70er Jahre bleibt dem Haus erhalten. "80 Euro für den Dackel zum Ersten? Niemand will den Dackel?"

 Während sich die Sitzreihen zunehmend leeren, wird die Schlange am Kassenschalter länger. Gelassenes Warten auf den Erlagschein.

Dem Auktionator ist zum Scherzen. In der Monotonie des Ankündigens kommt ein Salamiverkäufer, eine weitere Figur aus Porzellan, zum Ausruf: "Sieht eher nach Gurke aus."

Erbitterte Duelle um ein Stück bleiben an diesem Nachmittag aus. Als hätten sich die Bieter heimlich abgesprochen, wird Objekt um Objekt verkauft. Die Interessenten gehen so, wie sie gekommen sind, ohne laute Geräusche oder Gefühlsausbrüche. Mit einer kleinen Freude unter dem Arm zum Preis für den kleinen Mann. (Sigrid Schamall, derStandard.at, 19.2.2009)

  • Ob physisch anwesend, am Telefon oder durch einen Sensal vertreten, die
Gegenstände wechseln ihren Besitzer binnen weniger Sekunden.
    foto: standard/robert newald

    Ob physisch anwesend, am Telefon oder durch einen Sensal vertreten, die Gegenstände wechseln ihren Besitzer binnen weniger Sekunden.

Share if you care.