Deutsches Historisches Museum verliert Streit um Plakate

10. Februar 2009, 17:08
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Museum hat laut Gericht keinen Anspruch darauf, die Herausgabe der Plakatsammlung Sachs noch weiter zu verweigern

Berlin - Im Raubkunst-Streit um die legendäre Plakatsammlung Sachs hat das Deutsche Historische Museum (DHM) eine Niederlage erlitten. Das Berliner Landgericht wies am Mittwoch die Behauptung des Museums zurück, wonach der Sohn des von den Nationalsozialisten enteigneten Sammlers Hans Sachs nicht Eigentümer der auf 4.200 Plakate geschätzten Sammlung ist. Gleichzeitig wurde das Museum zur Rückgabe des Plakats "Die Dogge" des "Simplizissimus"-Künstlers Thomas Theodor Heine an den in den USA lebenden Sachs-Erben Peter Sachs verurteilt, teilte eine Gerichtssprecherin mit.

Der Anwalt von Sachs, Matthias Druba, erklärte, das Gericht habe damit festgestellt, dass Peter Sachs Eigentümer der Sammlung bleibe. Das Berliner Museum habe keinen Anspruch darauf, die Herausgabe der Sammlung noch weiter zu verweigern. Druba betonte, Sachs wolle die Sammlung nicht verkaufen, sondern im Sinne seines Vaters der Öffentlichkeit zugänglich machen. Das Historische Museum wollte für eine Stellungnahme die Urteilsbegründung abwarten.

Die Sammlung Sachs gilt als eine der bedeutendsten Kollektionen deutscher Plakatkunst aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Peter Sachs hatte aus Kostengründen zunächst auf die Rückgabe von zwei Plakaten der Sammlung geklagt, die auf insgesamt 4,5 Millionen Euro geschätzt wird. Im Fall des zweiten Bildes, "Die blonde Venus", habe man nicht nachweisen können, dass es zur Sammlung gehört, entschieden die Richter.

Peter Sachs beansprucht die gesamte Kollektion, obwohl sein Vater dafür bereits 1963 eine Entschädigung von der Bundesrepublik erhalten hatte. Er sei bereit, das Geld mit Zinsen zurückzuzahlen, sobald er im Besitz der Sammlung sei. Mit dem Urteil des Landgerichts wird auch eine Empfehlung der Kommission zur Rückgabe von NS-Raubkunst infrage gestellt. Das von der früheren Verfassungsrichterin Jutta Limbach geleitete Gremium hatte sich für eine Verbleib der Sammlung im DHM ausgesprochen.

Der jüdische Zahnarzt Hans Sachs (1881-1974) hatte als Jugendlicher mit dem Aufbau der Sammlung in Berlin begonnen, die in den 30er Jahren mehr als 12 000 Plakate zählte. Bei einer Hausdurchsuchung der Gestapo 1937 wurde die Sammlung gestohlen. Sachs wurde in der "Reichspogromnacht" 1938 in einem Konzentrationslager interniert, konnte aber freikommen und in die USA auswandern.

Da Hans Sachs vermutete, dass die Sammlung im Krieg vernichtet wurde, ließ er sich 1963 auf eine Wiedergutmachung von 225.000 Mark ein. Wenig später erfuhr er, dass die Sammlung den Krieg überstanden hatte und im Ost-Berliner Museum für Deutsche Geschichte lagerte. Er schrieb daraufhin, die Entschädigungszahlung habe seine Ansprüche gedeckt, die Sammlung sollte nur öffentlich gezeigt werden. (APA/dpa)

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