"TrüffelGarten": macht Gärtnerträume wahr

11. Februar 2009, 19:07
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Unternehmensgründer Alexander Urban verkauft geimpfte Trüffelbäume und hofft auf lukratives Geschäft mit seiner Trüffel-Plantage

"Leben wie Gott in Frankreich" - der Mythos des Luxuriösen, des Seltenen haftet dem Genuss von Trüffeln an. Alexander Urban und sein Geschäftspartner Tony Pla können den wertvollen Pilz in jeden Garten bringen und daraus einen echten Trüffelgarten machen. Mit ihrer Geschäftsidee haben sich die beiden vor rund vier Jahren selbständig gemacht und das Unternehmen "Trüffelgarten" gegründet: Sie impfen Bäume mit Trüffelmyzelen und verkaufen sie an ihre Kunden.

Geschäftsidee "lag auf der Hand"

Alexander Urban ist Mykologe und auch als Wissenschafter am Fakultätszentrum Botanik der Uni Wien tätig. Seit seiner Jugend ist er begeisterter Pilzsammler und beschäftigt sich intensiv mit der Symbiose von Pilzen und Bäumen und der Trüffelkultur. Als Wissenschafter hat er auch schon in international angesehenen Fachzeitschriften publiziert. "Die Geschäftsidee hat sich daher förmlich aufgedrängt. In Mitteleuropa sind Trüffel selten, deswegen für die Kultivierung besonders interessant", erklärt Urban. Als die Idee 2003 entstanden ist, war es auch quasi eine Flucht nach vorne, weil die Zukunft der Forschungsbudgets damals wie heute ungewiss war. Ein zweites Standbein konnte also nicht schaden.

Die Kunden kaufen Trüffelbäumchen "aus Spaß an der Freude", weil sie einfach ausprobieren möchten ob Trüffel in ihrem Garten gedeihen. Oder Grundbesitzer und Bauern wollen in ein zweites langfristiges "Standbein" investieren. Und der Ertrag? "Wenn ein Baum trägt, sind es zirka 150 bis 300 Gramm pro Jahr oder bis zu zwei Kilogramm, wenn die Bedingungen günstig sind. Es kann aber auch gar nicht funktionieren, wenn es nur zwei Bäumchen sind", weiß Urban.

Symbiose von Wissenschaft und unternehmerischem Denken

Ein Unternehmensgründer mit wissenschaftlichem Hintergrund. Kann das gut gehen? "Ja", sagt Urban und räumt ein, dass es nicht immer einfach sei wirtschaftlich zu kalkulieren, weil ein Wissenschafter ganz anders optimiere. Unterstützt wurden Urban und Pla durch verschiedene Gründerprogramme, unter anderem durch das Universitäre Gründerservice Inits. Dennoch: "Die Fördergeber müssen wissen, dass es einem mit der Unternehmensgründung ernst ist, man muss den Plan auch glaubhaft machen", erzählt Urban. Relativ leicht hat Urban es mit der PR: "Trüffel an sich sind schon ein guter PR-Gag", meint der Mykologe. Und erschwinglich ist ein einzelnes Bäumchen für den Eigenbedarf auch - mit nicht einmal 30 Euro kann man sich den Trüffeltraum in den Vorgarten pflanzen.

"Langer Atem notwendig"

"Heute reicht das Geschäft mit den Trüffelbäumen gerade so zum Überleben", so Urban. Allerdings bringt es die Natur auch mit sich, dass das Ganze eine langfristige Sache ist: es dauert vier bis fünf, manchmal auch zehn Jahre bis die ersten Trüffel geerntet werden können. Und nicht immer ist der Erfolg auch garantiert. Ein großes Erfolgserlebnis feierte "TrüffelGarten" im Oktober vergangenen Jahres: auf der eigenen Plantage fanden die beiden Gründer ihre erste selbst kultivierte Trüffel. "Ein Beweis dafür, dass es tatsächlich funktioniert", schildert Urban stolz und ist davon überzeugt, dass das kleine Unternehmen in Zukunft durchaus lukrativ sein wird. Man brauche aber eben einen "langen Atem". Noch verkauft "TrüffelGarten" die geimpften Bäumchen und berät bei der Kultivierung. "In ein paar Jahren können wir dann mit der Trüffelernte unserer eigenen Plantage handeln", so Urban.

Nachfrage an Trüffelbäumchen gibt es bis über die Grenze aus Deutschland und der Schweiz. Auch aus Griechenland habe es schon Interesse gegeben, so der Wissenschafter. Er will, dass die Menschen den richtigen Trüffelgeschmack kennen lernen, "nicht jenen der oftmals überteuerten, der künstlich aromatisierten Öle". "Trüffeln sollen ein zugängliches Gut werden", wünscht sich Urban. "Die Kilopreise der Pilze sind gewaltig, das stimmt schon. Aber auch ein Kilo Pfeffer kostet nicht wenig", meint der Unternehmer mit einem Augenzwinkern. (Marietta Türk, derStandard.at)

  • Ein paar hundert Gramm, der olfaktorischen Pracht
 
    foto: julia schwack
    Foto: Julia Schwack

    Ein paar hundert Gramm, der olfaktorischen Pracht

     

  • Alexander Urban mit einem wichtigen Arbeitsinstrument - dem Mikroskop
 
    foto: fakultätszentrum botanik

    Alexander Urban mit einem wichtigen Arbeitsinstrument - dem Mikroskop

     

  • Auf Trüffelsuche mit den Hunden...
    foto: alexander urban

    Auf Trüffelsuche mit den Hunden...

  • ... sieh da, hier liegt die Trüffel versteckt
    foto: julia schwack
    Foto: Julia Schwack

    ... sieh da, hier liegt die Trüffel versteckt

  • Tony Pla findet die erste Burgundertrüffel auf einer Plantage in Niederösterreich
    foto: alexander urban

    Tony Pla findet die erste Burgundertrüffel auf einer Plantage in Niederösterreich

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