Frühe Darstellungen des "Unsichtbaren"

10. Februar 2009, 14:48
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Wiener Albertina präsentiert Ausstellung über den Einsatz der Fotografie in der Wissenschaft der Jahre 1840 bis 1900

Wien - Auch wenn der Ausstellungstitel "Fotografie und das Unsichtbare" suggeriert, hier gäbe es kaum was zu sehen, die umfangreiche Schau in der Wiener Albertina belehrt eines Besseren: Mehr als 250 Objekte zeigen bis 24. Mai Aufnahmen aus der Frühgeschichte der Fotografie, die bis dahin tatasächlich Unsichtbares festhielten - von Serienbildern eines Vogelfluges bis zu Aufnahmen eines mit Überschallgeschwindigkeit fliegenden Geschoßes durch Ernst Mach. Und auch Foto-Aufnahmen von "Gespenstern" finden sich in der am Dienstag präsentierten Schau.

Der Einsatz der Fotografie in der Wissenschaft der Jahre 1840 bis 1900 ist das zentrale Thema der Schau. Dass da die "Geisterfotografie" eine Rolle spielt, mutet nur aus heutiger Sicht skurril an: Die Öffentlichkeit des späten 19. Jahrhunderts fand es mindestens ebenso (wenig) glaubwürdig, dass elektrische Spulen oder Röntgenröhren Strahlen aussenden sollten, wie die auf einigen Aufnahmen erscheinende "Aura" Verstorbener. Auch die Wissenschaft wusste nicht so recht mit dem Phänomen umzugehen, heißt es in den Unterlagen zur Schau.

Der "objektive" Blick

Dass Fotografie rasch ein wichtiges Instrument der Forschung wurde, ist hingegen leicht nachvollziehbar: Ermöglichte doch die neue Apparatur einen "objektiven" Blick auf die Forschungsgegenstände. Zuvor wurden wissenschaftliche Dokumentationen durch Zeichner und Maler geschaffen - und bekamen so einen künstlerischen, jedenfalls subjektiven Touch. Die Blicke der Astronomie in den Makrokosmos konnten durch das neue Medium nun ebenso dokumentiert und verfeinert werden wie die Ansichten in den Mikrokosmos.

So finden sich in der vom San Francisco Museum of Modern Art organisierten Ausstellung Aufnahmen von Blattstängel-Querschnitten, Flöhen oder Algen, die durch Mikroskope fotografiert wurden und zu deren frühem wissenschaftlichen Wert sich aus heutiger Sicht auch eine beachtliche ästhetische Komponente gesellte - der Einfluss auf die Kunst der Moderne wird in der Ausstellung implizit mitpräsentiert.

Interferenzen, Hunde, Blitze und nackte Tatsachen

Jules Janssens Aufnahmen zeigen den Durchgang der Venus im Jahr 1874, vom Nobelpreisträger Gabriel Lippmann sind frühe Interferenzfarbfotografien zu sehen. Auch über die Physiologie wurde viel gelernt: Bewegungsabläufe von Hunden und Katzen konnten erstmals "eingefroren" und so studiert werden.

Die neuen Möglichkeiten waren auch in anderer Hinsicht revolutionär: Blitze wurden festgehalten, der Sternenhimmel neu kartografiert, und auch ins Innere des menschlichen Körpers (via Röntgenfotografie) konnte nun geblickt werden. Aber auch auf das Soziale richtete die Wissenschaft die Kamera - und dort dürfte sich das wissenschaftliche durchaus auch mit anderen Interessen getroffen haben: Im Bereich "Momentfotografie" ist u.a. eine Bilderfolge mit dem Titel "Frau, die Wasser aus einem Kübel über eine andere Frau leert" zu sehen. Beide Frauen sind so gut wie nackt. (APA/red)

  • Bis zur Erfindung der Fotographie blieb ein Anblick wie dieser für die breite Öffentlichkeit unsichtbar: Mikroskopaufnahme einer männlichen Krätzmilbe.
    foto: standard/san francisco museum of modern art

    Bis zur Erfindung der Fotographie blieb ein Anblick wie dieser für die breite Öffentlichkeit unsichtbar: Mikroskopaufnahme einer männlichen Krätzmilbe.

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