Kapellari ruft Katholiken zu Einheit auf

10. Februar 2009, 13:52
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Warnung vor "simplen Schwarz-Weiß-Malereien" - Papst in letzter Zeit "oft missverstanden"

Graz  - Der Grazer Bischof Egon Kapellari hat in einem Hirtenwort anlässlich der Turbulenzen in der katholischen Kirche rund um die Lefebvrianer und die Ernennung von Gerhard Maria Wagner zum Linzer Weihbischof zur Einheit in seiner Diözese aufgerufen und vor "simplen Schwarz-Weiß-Malereien" gewarnt. Der Papst, so Kapellari, sei in letzter Zeit "oft missverstanden" worden. Der steirische Bischof hält sich derzeit in Rom auf und wird am Mittwoch im Rahmen der Generalaudienz mit Papst Benedikt XVI. zusammentreffen.

Man müsse sich möglichst gut informieren, bevor man endgültig urteilt und handelt, meinte Kapellari: "Lieblose, ja hochmütige wechselseitige Urteile und schreckliche Vereinfachungen haben wir in der Kirche Österreichs in den vergangenen Jahrzehnten leider oft gehört. Wir sollten aus den Leiden der Vergangenheit gelernt haben, sind aber da und dort in Gefahr, einige Fehler zu wiederholen". Ein "triumphierend militanter Ton von links oder rechts" garantiere zwar Aufmerksamkeit in den Medien, vermindere aber kein Problem, auch wenn von kirchlich Verantwortlichen Fehler gemacht worden sind.

"Hellsichtigkeit"

Die Kirche brauche immer wieder Erneuerung, so Kapellari: "Dazu ist eine vom Heiligen Geist gegebene Hellsichtigkeit zur Unterscheidung der Geister ebenso notwendig, wie eine große Liebe, die aber nicht naiv sein darf." Auf der immer neuen Suche nach der Mitte und Tiefe im Leben der Kirche bleibe das Zweite Vatikanische Konzil ein verbindlicher und inspirierender Rahmen. Dies gelte besonders für die vielfältig bedrohte Würde des Menschen, für die Religionsfreiheit und für den wertschätzenden Umgang mit Andersglaubenden.

Weiters hielt der Bischof fest, dass die Christen besonders mit den Menschen jüdischen Glaubens verbunden seien. Papst Benedikt XVI. sei ein "notorischer Freund des jüdischen Erbes im Christentum und des jüdischen Volkes". Seine Rede in Auschwitz und zahlreiche Schriften und symbolische Handlungen würden dies eindrücklich bezeugen, so Kapellari. (APA)

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