UNHCR-Kampagne: "Flucht ist nie freiwillig"

10. Februar 2009, 13:55
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Flüchtlings-Hochkommissariat: "Wer Asyl braucht, ist kein Schwindler" - Medien sollen mit gängigen Mythen aufräumen

Ein Streichholz-Haus, das abbrennt. Gefolgt von dem Satz: "Flucht ist nie freiwillig". Mit diesem Sujet startet das UN-Flüchtlingshochkommissariat (UNHCR) gemeinsam mit der Kommunikationsagentur Reichl und Partner eine Informationskampagne, um auf das Schicksal von Flüchtlingen aufmerksam zu machen. "Wir wollen zum Nachdenken anregen. Es geht nicht um Spenden", erläuterte der geschäftsführende Leiter des UNHCR-Büros in Österreich, Roland Schönbauer, bei einer Pressekonferenz am Dienstag in Wien.

Drei Kernaussagen

Ab kommender Woche werden bis Ende März österreichweit unter anderem Fernseh-, Radiospots, Printinserate und Plakate zu sehen sein, die laut Schönbauer mit den gängigen Mythen aufräumen sollen. Drei Kernaussagen stehen dabei im Mittelpunkt: "Was Flucht bedeutet", "Wer fliehen muss, braucht Asyl" und "Wer Asyl braucht, ist kein Schwindler", so der Leiter des UNHCR-Büros. "Nehmen wir an, Sie sind Salzburger und haben 24 Stunden Zeit Wien zu verlassen oder Sie sind ein Akw-Gegner, und die werden laufend tot in der Donau gefunden", versuchte Schönbauer plakative Beispiele für ethnische Verfolgungen wie etwa im Kongo oder politische wie in Burma (Myanmar) zu veranschaulichen.

"Ihr Schicksal (der Flüchtlinge, Anm.) ist in Europa im Jahr 2009 vielen Menschen kaum vorstellbar. Verständnis ist wichtig, dass Integration gelingt", sagte Schönbauer. Viele Flüchtlinge könnten seinen Worten nach nicht legal einreisen, weil sie durch Verfolgungen gezwungen seien, ihr Land spontan zu verlassen, oder keinen Zugang zu Reisepapiere hätten. Auch solle vermieden werden, dass in der öffentlichen Debatte das negative Image der Schlepper auf die Geschleppten übertragen wird.

Weil "Flucht nie freiwillig ist"

Österreich habe zwar Tradition als Zufluchtsland, sei aber europaweite nicht das großzügigste, meinte der UNHCR-Büroleiter. Im vergangenen Jahr sei die Anerkennungsrate von Asylanträgen in Österreich auf 31,2 Prozent gefallen im Vergleich zu 43,9 Prozent im Jahr zuvor. Im Vergleich dazu lag sie in Deutschland 2008 bei 49,9 Prozent. Auch richteten sich Asylanträge nicht nach der Art des Asylverfahrens, und die Anzahl der in Österreich gestellten Asylanträge gehe nach Angaben Schönbauers nicht mit heimischen Gesetzesverschärfungen konform, weil "Flucht nie freiwillig ist". "Flüchtlinge sehnen sich nach nichts lieber, als nach Hause zu gehen", so Schönbauer. Deshalb würden viele Flüchtlinge ins Nachbarland fliehen. UNHCR-Statistiken zeigten, dass über 80 Prozent der Flüchtlinge auf ihren Heimatkontinenten, also in Asien, Afrika und Lateinamerika, blieben.

"Keiner kann sich vorstellen, dass einem alles weggenommen wird", erläuterte der aus Polen stammende Werbefachmann Radomir Kosma Jedrasiak von der für die Initiative mit dem UNHCR kooperierenden Kommunikationsagentur Reichl und Partner. "Unter Umständen könnte es (die Situation für Flüchtlinge) schlimmer werden, wenn die wirtschaftliche Lage sich verschlechtert, wenn Angstmache auf fruchtbareren Boden fällt", meinte Schönbauer. Auch für eine Ausstrahlung des Werbespots im Nationalrat sei man offen. "Denn vieles, was Politiker über Asylwerber sagen, stimmt nicht. Vorurteile machen Angst, aber Fakten sind nicht zum Fürchten", so Schönbauer. (APA)

  • "Flucht ist nie freiwillig": UNHCR startet neue Kampagne.
    foto: reichl + partner

    "Flucht ist nie freiwillig": UNHCR startet neue Kampagne.

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