Tschechien rechnet mit Verzögerung von US-Radar-Stationierung

10. Februar 2009, 13:08
3 Postings

Außenminister Schwarzenberg in Washington: "Würden erstehen, wenn US-Administration den Bau um drei Jahre verzögern würde. Wir hätten nichts grundsätzlich dagegen"

Washington - Tschechien zeigt sich offen für eine eventuelle Verschiebung der Errichtung des geplanten US-Raketenabwehr-Radars auf tschechischem Boden. "Wir würden es durchaus verstehen, wenn die US-Administration den Bau des Radars um drei Jahre verzögern würde. Wir hätten nicht grundsätzlich etwas dagegen. Wir sind damit einverstanden", sagte Außenminister Karel Schwarzenberg während eines USA-Besuchs nach einem Gespräch mit US-Senatoren am Montag (Ortszeit) in Washington laut tschechischer Nachrichtenagentur CTK.

Obwohl bei den Gesprächen keine Deadlines genannt wurden, scheint es Schwarzenberg möglich, dass sich die USA mit ihrem Raketenschild noch ein bisschen Zeit lassen. "Ich erwarte einen zeitlichen Aufschub, so dass es nicht in zwei Jahren sein wird, wie wir angenommen haben, sondern vielleicht in fünf oder sechs Jahren", sagte er. Etwa im Jahr 2015 könnte die "Gefahr aktuell werden", meinte er, offenbar in Anspielung auf befürchtete Raketenangriffe aus dem Iran. Bis dahin sollte man daher mit der Errichtung des Radars "langsam beginnen".

Abstimmung mit Russland

Die USA haben unter Präsident George W. Bush die Pläne für einen Raketenschild in Europa geschmiedet und wiederholt erklärt, das System diene laut US-Angaben zum Schutz Europas und Amerikas vor Angriffen aus dem Iran. Neben dem Radar in Tschechien sieht das Projekt eine Raketenbasis in Polen vor.

Der neue US-Vizepräsident Joe Biden sagte am Samstag auf der Sicherheitskonferenz in München, dass die USA ihre Raketenabwehr-Pläne fortsetzen wollen, "sofern die Technologie erprobt und wenn sie wirtschaftlich ist". Die USA wollten dies außerdem in Abstimmung mit den NATO-Verbündeten und mit Russland tun, das den US-Raketenschild ablehnt.

Die bilateralen Verträge zwischen den USA und Tschechien zur Stationierung des Radars sind vom Prager Parlament noch nicht abgesegnet worden. Zahlreiche Abgeordnete lehnen sie ab. Schwarzenberg sagte dazu, dass ein Abbruch des Projekts "nicht sehr wahrscheinlich" sei. Die Amerikaner würden erkennen, dass der Raketenschild "in Zukunft sehr nützlich sein kann". Gleichzeitig sprach er sich aber auch für direkte Gespräche zwischen den USA und dem Iran aus. (APA)

Share if you care.