Softwarebranche fühlt sich von Politik ignoriert

10. Februar 2009, 12:57
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VÖSI: Sektor erwirtschaftet doppelte Brutto-Wertschöpfung der Tourismusbranche

Die Softwarebranche fühlt sich von der Regierung - genauso wie von deren Vorgänger - in Stich gelassen. Von den zahlreichen vollmundigen Aussagen und Bekenntnissen zur IT- und Kommunikationsbranche (IKT) sei in der Praxis kaum was zu merken. Bis heute seien die Agenden dieser Zukunftsbranche auf die verschiedensten Ministerien aufgesplittet.

Keine Forderung nach Krisenpaket

Dabei fordert die Branche - im Gegensatz zu vielen anderen Sektoren, angefangen von der Autoindustrie bis zur Agrarwirtschaft, - nicht einmal ein Krisenpaket. Der Präsident des Verbandes der Österreichischen Software-Industrie (VÖSI), Peter Kotauczek, wollte am Dienstag bei einer Pressekonferenz nicht einmal das Wort "Förderung" in den Mund nehmen.

"Brauchen ausreichend Spitzenkräfte"

Man unternehme lediglich - einmal mehr - einen Anlauf, sich ein wenig Gehör in der Öffentlichkeit zu verschaffen. Schließlich erwirtschafte der IKT-Sektor die doppelte Brutto-Wertschöpfung der Tourismuswirtschaft und beschäftige in Österreich 110.000 Personen, davon 6.000 in der Forschung. Es sei jedenfalls zu wenig, zu glauben, mit einem Computer-Führerschein sei es getan. "Wir brauchen einen ausreichenden Stand an Spitzenkräften", betonte Kotauczek. Stattdessen beschäftige sich die politische Kaste mit sich selbst, der vielgerühmte IKT-Masterplan werde hingegen in der Softwareindustrie praktisch nicht wahrgenommen.

Fiktive Zahlen herumschieben

Wahrnehmungsprobleme gebe es auch bei den Kreditgebern. Diese würden viel zu sehr auf die Bilanzsumme achten, die aber bei Softwarehäusern naturgemäß gering sei. 50 Prozent des Wertes eines Softwareunternehmens spiegle sich nicht in der Bilanz wieder, so VÖSI-Vorstand Günther Koch. Und Kotauczek ergänzte schmunzelnd: "Dabei sind Banken eigentlich auch nur Softwarehäuser, die fiktive Zahlen herumschieben."

IKT-Politik weltfremd

Wie "weltfremd" die IKT-Politik sei, merke die Branche auch an den arbeitsrechtlichen Regelungen, die sich bis heute an die klassische Industrie richten würde. Koch regte an, die kollektivvertraglichen Regelungen für Forscher als Richtschnur für eine Änderung zu nutzen.

Die VÖSI hat sich mittlerweile brieflich an die Regierung gewandt und sieben Wünsche deponiert: Verstärkter IKT-Einsatz in der öffentlichen Verwaltung, intensive Bildung von Fachpersonal, verbesserte Konditionen für Unternehmensgründungen, intensiver Austausch zwischen Wissenschaft und Softwarebranche, Schaffung eines verbesserten Investitionsklimas, Bewerbung der Software-Branche, vergleichbar mit der Tourismuswerbung, und die Weiterentwicklung der Breitband-Infratruktur. (APA)

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