Asner-Auslieferung durch Gutachtenstreit verzögert

12. Februar 2009, 09:25
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Österreich wollte höheren Kosten einer Schweizer Expertise zuerst nicht zahlen, hat aber nun eingelenkt

Der 95-jährige angeblich demenzkranke Milivoj Asner ist die Nummer Vier auf der Liste der meistgesuchten Nazi-Kriegsverbrecher und lebt bisher unbehelligt in Klagenfurt. Kroatien fordert zudem die Auslieferung Asners, wegen Verbrechen, die er als regionalen Ustascha-Polizeichef begangen hat.

Ausgeliefert wird allerdings nur, wer vernehmungsfähig ist. Laut mehrerer Gutachten aus Österreich ist Asner das allerdings wegen seiner fortgeschrittenen Demenzkrankheit nicht. Im vergangenen Sommer waren daran allerdings Zweifel laut geworden. Asner hatte der britischen Zeitung Sun ein Interview gegeben, in dem er zurechnungsfähig gewirkt haben soll.

Das geplante entscheidende Gutachten des Schweizer Gerichtspsychiaters Volker Dittmann lehnte Österreich allerdings anscheindend aus Kostengründen ab. Die Universität in Basel, an der Dittmann arbeitet, verlangt für eine Gutachterstunde rund 200 Euro. Das hätte er von der österreichischen Justiz für das ganze Gutachten bekommen, sagt Dittmann laut Ö1 - und zwar laut dem Gebührenanspruchsgesetz, das für psychiatrische Gutachten bei Strafverfahren gilt: Er finde es "skandalös, dass man akademisch hochqualifizierte Leute zu solchen Stundesätzen arbeiten lässt", so Dittmann. Er sieht in diesen Honorarsätzen auch einen Mitgrund dafür, dass die Qualität psychiatrischer Gutachten in Österreich oft gering sei.

Nun berichtet Ö1 in seinem Mittagsjournal, dass es im Streit um die Kosten nun zu einer Wende gekommen sei. Nach einem Bericht in der Wiener Zeitung und nach Recherchen von Ö1 erhielt Dittmann einen Anruf von der Klagenfurter Staatsanwaltschaft: Demnach könnte sein Gutachten als "wissenschaftlich" anerkannt werden und dafür gälten andere Entschädigungssätze.
Bis das Asner-Gutachten fertig ist, werde es noch einige Wochen dauern, sagt Dittmann zu Ö1. (red)

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