Der Weltmeister auf zwei und vier Rädern

10. Februar 2009, 11:57
13 Postings

John Surtees wird 75 - Dem Briten gelang ein "Kunststück für die Ewigkeit" - 7 Mal Weltmeister auf dem Motorrad, ein Mal in der Formel 1

London/Stuttgart - John Surtees feiert am Mittwoch seinen 75. Geburtstag. Der am 11. Februar 1934 in Tatsfield/Surrey geborene Brite wurde in den 1950er-Jahren sieben Mal Motorrad-Weltmeister und ein Mal (1964) Formel-1-Champion. Damit ist Surtees der bisher einzige Motorsportler, der Weltmeister auf zwei und vier Rädern geworden ist.

Surtees wurde 1996 in die Motorsport Hall of Fame aufgenommen und stattet auch Österreich immer wieder Besuche ab. "Sir" John ist öfters Gast bei Oldtimer-Klassikern und hat 2007 seine Hand- und Fußabdrücke auf der Wiener "Straße der Sieger" verewigt. Der 75-Jährige ist auch Berater im neuen chinesischen Maxtra-Team des österreichischen Motorrad-GP-Piloten Michael Ranseder.

"Sohn des Windes"

"Sohn des Windes" tauften die Italiener den siebenmaligen Motorrad-Champion nach seinem Formel-1-Triumph mit Ferrari im Jahr 1964. "Furchtloser John" wird der Rennfahrer in seiner englischen Heimat genannt. Der introvertierte Brite ist inzwischen aber ein Kritiker des Vollgas-Spektakels. "Der Sport ist zu sehr Geschäft geworden", monierte Surtees schon vor einigen Jahren.

In der Ruhmeshalle des Motorsports aber hat der Sohn eines Londoner Motorradhändlers einen festen Platz. "Ich war ein bisschen verrückt", urteilte der Hobby-Antiquitätenhändler, der heute Talente berät und kleinere Rennen organisiert, im Rückblick auf seine Erfolgskarriere. Mit 16 gab er in Brands Hatch sein Debüt bei einem Motorradrennen.

1956 fuhr er in seinem zweiten Jahr auf einer MV Augusta-Werksmaschine in der 500-ccm-Klasse seinen ersten WM-Titel ein. Von 1958 an dominierte Surtees mit einer völlig neuen Kurventechnik die 350er- und 500er-Klasse und ließ sechs weitere Weltmeisterschaften folgen.

Jonglieren mit einer Handgranate

Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung stieg der Seriensieger 1960 in einem Lotus in die Formel 1 ein. Sein Talent wies Surtees hier ebenfalls schnell nach, auch wenn er sich der Risiken auf der Piste sehr wohl bewusst war. "Für uns war die Formel 1 wie das Jonglieren mit einer Handgranate. Du wusstest nie, ob das Ding los geht", sagte Surtees unter dem Eindruck der damals nicht selten tödlichen Unfälle in der Königsklasse.

Der große Enzo Ferrari gab ihm 1963 ein Cockpit, auf dem Nürburgring feierte Surtees seinen ersten Grand-Prix-Sieg. Ein Jahr später schrieb der Ferrari-Pilot in Mexiko-City Sportgeschichte. Beim Saisonfinale fuhr Teamkollege Lorenzo Bandini dem WM-Führenden Graham Hill ins Heck und ließ Surtees wenig später passieren. Platz zwei genügte dem Briten am Ende zum Titelgewinn. Landsmann Hill nahm es mit typisch englischen Humor und schenkte Bandini zu Weihnachten das Buch "Wie lerne ich sicheres Autofahren".

Triumphator Surtees war Rennfahren allein längst nicht mehr genug. 1969 gründete der sechsmalige Grand-Prix-Sieger sein eigenes Team, für das er drei Jahre lang auch als Fahrer unterwegs war. "Ich litt vielleicht unter einem Überschuss Enthusiasmus", meinte Surtees, nachdem er 1978 der Formel-1-Szene müde und verärgert den Rücken gekehrt hatte.

Die sportlichen Fußstapfen des ausgebildeten Ingenieurs, dessen 17-jähriger Sohn Henry in der kommenden Saison in der neuen Formel 2 startet, haben sich jedoch bis heute noch für jeden als zu groß erwiesen. Selbst dem neunmaligen Motorrad-Weltmeister Mike "The Bike" Hailwood blieb in der Formel 1 in 50 Anläufen ein Grand-Prix-Sieg verwehrt.

Wie schwer der Wechsel zwischen vier und zwei Rädern ist, erfuhr zuletzt auch Michael Schumacher: Bei Motorrad-Rennen fiel der Formel-1-Rekordweltmeister im vergangenen Jahr mehrfach durch Stürze auf. Auch der italienische Motorrad-Champion Valentino Rossi hat sich nicht nur auch in Rallye-Fahrzeugen sondern mehrfach auch schon in einem Ferrari-Formel-1 versucht. Bisher allerdings nur auf der Teststrecke. (APA/dpa)

 

  • John Surtees
    epa/oliver multhaup

    John Surtees

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Der Jubilar in einem 1967 Honda RA300Formel 1-Boliden.

Share if you care.