Umfrage: Grasser bedeutender als Schüssel

10. März 2003, 13:50
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Finanzminister nach Einfluss der Politiker vor Kanzler - Gleich niedrige Werte für Gusenbauer, Haupt und Van der Bellen

Foto: APA/Hans Klaus Techt
Laut einer Umfrage ist
Grasser dem Bundes-
kanzler nicht nur in
puncto Körpergröße
überlegen...
Nach der Regierungsbildung wird Finanzminister "KHG" Karl-Heinz Grasser in einer Umfrage für den STANDARD als einflussreicher eingeschätzt als der Bundeskanzler. Die drei Parteichefs Gusenbauer, Haupt und Van der Bellen gelten - auf niedrigerem Niveau - als gleich wichtig.


Linz - Jörg Haider wird im Moment nicht einmal mehr als Störfaktor ernst genommen. Das geht aus einer Umfrage hervor, die das Linzer market-Institut in der Vorwoche durchgeführt und dem Standard zur Verfügung gestellt hat: Demnach sagen 78 Prozent, dass von Landeshauptmann Jörg Haider "derzeit eher keine wichtigen Impulse für Österreich zu erwarten" sind. Gerade noch unter den wenigen deklarierten FPÖ-Wählern (in den Rohdaten machen diese trotz allgemein akzeptierter Regierungsbeteiligung nur sechs Prozent aus) gibt es eine Mehrheit, die Haider wichtige Impulse zutraut.

Am anderen Ende der market-Skala: Karl-Heinz Grasser, dessen Marke derzeit auch wieder jene des Bundeskanzlers überstrahlt: 82 Prozent trauen Grasser, 65 Prozent Bundeskanzler Wolfgang Schüssel zu, politisch etwas zu bewegen. "In diesem Zusammenhang könnte es bedeutsam sein, dass Grasser als unabhängiger, über den Parteien stehender Experte wahrgenommen wird, der noch dazu auf der Geldschatulle hockt," vermutet market-Studienleiter David Pfarrhofer. Er erinnert daran, dass Grasser schon in früheren Umfragen eine überragende Rolle (und hohe Sympathie) zugetraut wurde, nur während der Wahlkampagne wurde sein Macher-Image von jenem des Bundeskanzlers überstrahlt.

Grassers starke Position ist auch in Umfragen anderer Institute abzulesen - profil veröffentlicht am Montag eine ISMA-Umfrage, in der erhoben wird, von welchem Politiker die Österreicher eine "gute Meinung" haben - in dieser Fragestellung liegt Grasser knapp vor Benita Ferrero-Waldner, Heinz Fischer, Alexander Van der Bellen und Thomas Klestil.

In der auch in der Grafik dargestellten market-Umfrage für den Standard ging es aber weniger um das Image als um die Durchsetzungskraft vor allem der in neue Positionen aufgerückten Politiker - hier sieht man, dass die vor Wahlen stehenden Landeshauptmänner Erwin Pröll und Josef Pühringer besonders gut positioniert sind. Klubomann Wilhelm Molterer wird nun als zweiter starker Mann in der ÖVP gesehen - "Maria Rauch-Kallat dürfte von ihrer langen Präsenz in der Politik profitieren, sie ist nur fünf Prozent unbekannt. Anders ist es beim Landwirtschaftsminister Josef Pröll: Den kennen 21 Prozent nicht; aber jene, denen der Name vertraut klingt, trauen ihm auch etwas zu, weil da das starke Image des Onkels und vielleicht auch die eine oder andere Verwechslung mitspielt," sagt Pfarrhofer. Ein Großteil der Regierungsneulinge ist übrigens einem Viertel der Befragten unbekannt.

Im Mittelfeld - mit ähnlichen Werten - liegen die Parteichefs von SPÖ, FPÖ und Grünen. Dabei fällt auf, dass Herbert Haupt als Vizekanzler kaum mehr Einfluss zugetraut wird als dem Oppositionellen Alexander Van der Bellen. Alfred Gusenbauer, dessen SPÖ rund viermal so viele Wähler hatte wie die Grünen, hat übrigens in den Augen der Befragten auch nicht mehr Gewicht. (DER STANDARD, Printausgabe, 10.3.2003)

Von Conrad Seidl
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