Markt für Gender-Wissen

8. März 2003, 10:19
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Die Nachfrage nach Seminaren und Lehrgängen zu Gender-Mainstreaming wächst - wie auch das Angebot

    Vom Insiderinnenbegriff zum Erfolgsschlager unter den Seminaren: Die Nachfrage nach Seminaren und Lehrgängen zu Gender-Mainstreaming wächst zusehends. Wie auch das Angebot.

Früher war Frauengleichberechtigung mehr eine Frage des guten Willens. Doch der nimmt stetig zu, seit Gender-Mainstreaming (die Berücksichtigung von Chancengleichheit der Geschlechter in allen Bereichen) Voraussetzung bei der Vergabe von Förderungen und Projekten ist. Die EU hat dies bereits 1997 festgelegt, der österreichische Bund, einzelne Bundesländer und Ministerien sowie das AMS gaben zumindest Absichtserklärungen ab.

Seitdem steigt die Nachfrage nach Trainings und Weiterbildungsangeboten zu Gender-Mainstreaming - bei den Förderern wie den Geförderten: "Etwa seit dem Jahr 2000 ist hier ein Markt entstanden", sagt Irene Pimminger, Leiterin der Gender-Mainstreaming-Koordinationsstelle (GeM) im Europäischen Sozialfonds.

"Entkrampfung des Themas"

Und dieser Markt entwickelt sich rasant, bestätigt Ursula Rosenbichler von der Abzwien.Akademie und Arco (Art of Consulting). Seit 1994 bietet sie Gendertrainings an, ab März erstmals - gemeinsam mit Karl Schörghuber - nun einen vollen Lehrgang für Berater/innen und Führungskräfte.

Rosenbichler sieht eine zunehmende "Entkrampfung des Themas". Gender-Mainstreaming (GM) sei nicht mehr "nur" eine moralische Frage, sondern Teil eines erfolgreichen Management- und Qualitätssicherungskonzepts.

Nicht "nur" moralisch

Bei GM-Projekten werden alle Strukturen auf Geschlechtergerechtigkeit hin durchforstet, das schaffe Klarheit auf der Prozessebene. "Und erhöht Qualität und Effizienz", so Rosenbichler. Im Lehrgang setzt sie besonders auf die Kombination von Gender- und Managementwissen.

Trotzdem - "immer noch geht es auf der Hinterbühne um die Verteilung von Macht und Ressourcen", sagt Gabriele Bargehr vom Beratungsinstitut Im Kontext. Auch sie startet demnächst mit einem Gender-Mainstreaming-Fachseminar. Schwerpunkte sind theoretische und gesellschaftspolitische Hintergründe zu Gender, Reflexion, Austausch und Persönlichkeitsbildung. Wichtig ist für Bargehr, dass etwa gleich viele Männer wie Frauen im Lehrgang sind. Was noch für Schwierigkeiten sorgt: "Nach wie vor wird GM eher den Frauen übertragen." Idealerweise sollten pro Organisation ein Mann und eine Frau aus Schlüsselbereichen - etwa aus dem Personalmanagement - die Weiterbildungen besuchen. Im Auftrag des Unternehmens, denn "natürlich brauchen die GM-Verantwortlichen im Anschluss die entsprechenden Ressourcen an Arbeitszeit und Geld", so Bargehr. Und die Unterstützung "von oben".

An die Arbeitspraxis anknüpfen

"Zur Umsetzung einer Strategie des Gender-Mainstreaming sind Seminare und Weiterbildungen nur ein Steinchen", betont auch Pimminger von der GeM-Koordinationsstelle. Workshops und Trainings würden aber der Bewusstseinsbildung und Orientierung dienen. Bei längeren Lehrgängen sollte man darauf achten, dass das Gelernte an die Arbeitspraxis anknüpft.

In Zukunft dürfte sich der Markt weiter ausdifferenzieren, erwartet Pimminger. Um das Niveau zu sichern, sollen nun auch Qualitätskriterien für Lehrgänge erarbeitet werden. Den Anfang dazu macht ein Roundtable der Interministeriellen Arbeitsgruppe Gender Mainstreaming (IMAG GM) am 17. März. (Heidi Weinhäupl, DER STANDARD, Print, 08./09.03.2003)

Abzwien.Akademie/Arco: April 2003 bis März 2004, € 5400, ursula.rosenbichler@abzwien.at;
Fachseminar Im Kontext: April bis Mai 2003, € 1500, IMAG GM: www.imag-gendermainstreaming.at
www.imkontext.at
GeM-Koordinationsstelle: www.gem.or.at (Anbieterdatenbank auf Anfrage)

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    foto: photodisc
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