Obduktion: Eluana starb an Herzversagen

10. Februar 2009, 22:57
355 Postings

Rascher Tod von Komapatientin wirft Fragen auf - Staatsanwaltschaft von Udine ermittelt

Aus der Obduktion der Leiche der italienischen Koma-Patientin, Eluana Englaro, geht hervor, dass die 38-Jährige am Montag an Herzversagen infolge Dehydrierung gestorben sei. Die Gesundheitsbehörden schließen vorerst aus, dass der Tod Eluanas "beschleunigt" worden sei. Auf Wunsch der Familie war am Freitag die künstliche Ernährung und die Hydrierung eingestellt worden, die sie am Leben hielt.

Der Tod Eluanas, deren Schicksal Italien gespalten hat, trat früher ein als von den Ärzten erwartet. Diese hatten vorausgesagt, dass die Patientin auch ohne Nahrung und Flüssigkeit noch "12 bis 14 Tage" leben könne. Über die Hintergründe von Eluanas Tod wird heftig diskutiert. Rund 500 Personen und Organisationen, darunter mehrere katholische Verbände, reichten bei der Staatsanwaltschaft von Udine Anzeigen gegen den Leiter des Ärzteteams, Amato De Monte, ein, das Eluana in den Tod begleitet hat.

Auch in der italienischen Politik wütet der Streit um Eluanas Tod weiter. Der italienische Justizminister Alfano sagte, dass die Frau wegen eines "Gerichtsentscheides" gestorben sei. Die Regierung hat alles getan, um ihr das Leben zu retten", so der Minister.

Der italienische Ministerpräsident Berlusconi hatte am Dienstag betont, er bedauere, dass "die Initiative der Regierung zur Rettung eines Menschenlebens verhindert worden ist". Damit gab er indirekt Staatspräsident Napolitano die Mitschuld für den Tod der Patientin. Das Staatsoberhaupt hatte die Unterschrift unter eine Eilverordnung der Regierung verweigert, mit der das Kabinett die Ärzte zu lebenserhaltenden Maßnahmen zwingen wollte.

 

***

Rom - Der unerwartet rasche Tod der Komapatientin Eluana Englaro hat in Italien einen vehementen Schlagabtausch zwischen Befürwortern und Gegnern der Sterbehilfe ausgelöst. Vergeblich appellierte Staatschef Giorgio Napolitano an die Nation, den Tod der 38-Jährigen aus Lecco "in Stille zu würdigen". Das Gegenteil war der Fall. Eine Flut von Rhetorik ergoss sich über die Halbinsel.

Die großen Zeitungen widmeten dem Fall bis zu 15 Seiten, in hastig angesetzten Sondersendungen gerieten sich Vertreter beider Lager in die Haare. Im römischen Senat, wo gerade das Verbot der Sterbehilfe zur Diskussion stand, löste die Todesnachricht tumultartigen Szenen aus. "Eluana ist nicht gestorben, sie wurde ermordet", rief der Sprecher des Rechtsbündnisses, Gaetano Quagliarello, unter den Protesten der Opposition, die mit Empörung auf "Mörder, Mörder!"-Sprechchöre aus dem Regierungslager reagierte.

Parlament verabschiedet neue Vorlage

Der Fraktionschef des "Volks der Freiheit", Maurizio Gasparri, warf dem Staatspräsidenten Mitverantwortung am Tod Englaros vor, weil er sich geweigert hatte, die Notverordnung der Regierung Berlusconi zu unterzeichnen. Handgreifliche Auseinandersetzungen konnten nur mit Mühe verhindert werden. Die Tageszeitung La Stampa wertete die Ereignisse im Senat als "einen der schwärzesten Tage für Italiens Institutionen". Die Debatte wurde vorläufig ausgesetzt. Das Parlament will nun in zehn Tagen eine neue Vorlage zum Thema Sterbehilfe und Patientenverfügung verabschieden.

Der Vatikan reagierte mit Abscheu auf den Tod der Komapatientin. Kardinal Javier Barragan sprach von einem "Verbrechen", für das er "Gottes Vergebung" erbat. Die katholische Tageszeitung Avvenire legte den Verdacht nahe, die Ärzte hätten beim Ableben der Frau "nachgeholfen". Eine Autopsie soll die genaue Todesursache klären. Die Eltern der Frau trafen am Dienstag in der Klinik in Udine ein. Eluana Englaro soll in privater Form im friaulischen Heimatort ihres Vaters beerdigt werden. (Gerhard Mumelter aus Rom/DER STANDARD, Printausgabe, 11.2.2009)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Eluanas Vater bestätigte: "Ja, Eluana hat uns verlassen".

Share if you care.