Pflegeplätze für vier Mädchen gefunden

9. Februar 2009, 19:28
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Mutter leidet an Burnout

Graz - Vier Mädchen im Alter zwischen vier und zwölf Jahren wurden vor einer Woche verschmutzt und von Läusen befallen in der desolaten Wohnung ihrer Eltern im Grazer Bezirk Lend von Sozialarbeitern entdeckt. Sie wurden sofort in die Kinderklinik am Grazer LKH gebracht. Das Sozialamt stand am Montag unter öffentlichem Beschuss, stand man doch seit 1998 in Kontakt mit der Familie, die noch drei ältere Kinder hat - eines ist bereits ausgezogen. Nachdem die Familie telefonisch nicht mehr erreichbar war, klingelte man so lange, bis geöffnet wurde. Der zuständige VP-Jugendstadtrat Detlev Eisel-Eiselsberg stellte sich am Montag hinter das Jugendamt. Die Mutter sei seit Jahren sehr engagiert und kooperativ gewesen, doch als im Herbst das zweitjüngste Kind in die Schule kam, "ist ihr alles über den Kopf gewachsen, man kann sagen, sie hatte einen Burnout", so Eisel-Eiselsberg zum STANDARD.

Das Jugendamt erstellte damals einen Hilfeplan, der "an sich richtig war, doch man hat den Faktor Zeit unterschätzt", glaubt der Stadtrat nach einer langen Krisensitzung. Als immer wieder Termine für Hausbesuche des Jugendamtes abgesagt wurden und auch die Schule Verwahrlosung und Fehlstunden meldete, sah man nach. Die Mutter habe "täglich von 17 Uhr bis in die Morgenstunden in der Gastronomie gearbeitet, der Vater hat im Wesentlichen nichts gemacht, außer fernzusehen", so der Politiker. Dass die Mädchen jetzt zu zwei miteinander befreundeten Pflegefamilien kommen, geschehe im Einverständnis mit der Mutter: "Sie soll jetzt erst einmal entlastet werden."

"Sehr, sehr herzige Kinder"

Wilhelm Müller, der Chef der Kinderklinik, berichtet dem Standard von "sehr, sehr herzigen Kindern, die auffallend sozial und nett miteinander umgehen". Anzeichen von körperlichem oder seelischem Missbrauch gebe es keine, die Kinder seien auch nicht unterernährt, nur "eben sehr schmutzig". Offenbar, so der Arzt weiter, habe die schwierige Situation die Kinder "zusammengeschweißt, sodass sie besondere soziale Kompetenzen erlernt haben". Spätestens morgen, Mittwoch, werden sie entlassen. (Colette M. Schmidt/DER STANDARD-Printausgabe, 10.2.2009)

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