Unentschuldbar

9. Februar 2009, 19:01
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Nicolas Sarkozy, Staatschef des zweitgrößten EU-Landes, stellt die Fundamente der Europäischen Union infrage - Von Michael Moravec

Wer auch immer sich fragte, ob der französische Staatspräsident nicht ein "unguided missile" sei, es also kaum vorhersehbar wäre, wo er demnächst einschlägt, hat nun einen weiteren Beweis einer gewissen Abgehobenheit Nicolas Sarkozys bekommen. Es sei unentschuldbar, wenn man Autos in Tschechien baue und sie dann in Frankreich verkaufen wolle. Und Staatshilfen könne es nur dann geben, wenn zumindest versucht werde, die Fabriken aus Böhmen wieder nach Frankreich zu holen, meinte der Präsident, ohne mit der Wimper zu zucken.

Mit diesen locker dahingesagten Wortspenden stellt der Staatschef des zweitgrößten EU-Landes schlicht die Fundamente der Europäischen Union infrage.

Sarkozy ist angeschlagen: Nur 41 Prozent stimmen seiner Politik noch zu, die Streikbereitschaft ist von 38 Prozent im Jänner auf nunmehr 53 Prozent gestiegen. Sarkozy wäre nicht der erste Politiker, der wegen sinkender Umfragewerte die EU verkauft, um die Lufthoheit über den Stammtischen zurückzugewinnen. Doch die platte Argumentation, der zufolge nur in Frankreich produzierte Autos gut für die Franzosen sind und französische Konzerne nur dann gefördert werden, wenn sie brav nach Hause kommen, zeigt, dass sich der Staatschef offenbar nicht eine Minute mit den Folgen beschäftigt hat: Irgendwann in der geschützte Werkstätte wären französische Autos mangels Konkurrenz so schlecht, dass sie nicht einmal mehr in Frankreich jemand wollte. Und das wäre wirklich unentschuldbar. (Michael Moravec, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10.02.2009)

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