Ein Spiel wider die Jammerei

9. Februar 2009, 18:50
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Das österreichische Fußballteam wird am Mittwoch in Graz gegen jenes aus Schweden aktiv. Franz Wohlfahrt ist neuer Tormann­trainer, Andreas Herzog möchte gewinnen und die alten Fehler nicht mehr sehen.

Graz - Mario Kienzl besitzt die Gnade der kurzen Anreise. Vor einer Woche ist er noch der einzige Debütant in Karel Brückners Aufgebot gewesen, nun muss er dieses nahezu aufwühlende Erlebnis mit den nachnominierten Andreas Ulmer (Red Bull Salzburg) und Christoph Saurer (LASK) teilen. Aber am Montagvormittag ist Kienzl tatsächlich der Einzige gewesen, ein 25-jähriger defensiver Mittelfeldkicker von Sturm braucht nämlich nicht nach Graz zu fahren, er ist schon dort.

Ulmer kam aus Salzburg, Saurer aus Linz, am Abend waren dann alle da, Teamchef inklusive. Also auch jene, die zig Länderspiele und folglich zig Länderspielniederlagen in den Beinen haben, zum Beispiel Andreas Ivanschitz oder Martin Stranzl. Die Anwesenheit von Bochum-Legionär Christian Fuchs gleicht freilich einer Abwesenheit. Der Oberschenkel ist geprellt, Fuchs' Einsatz am Mittwoch gegen Schweden ist auszuschließen. Er lässt sich von Teamarzt Ernst Schopp lediglich untersuchen und behandeln. Das Match wird trotzdem um 20.30 Uhr in der UPC-Arena angepfiffen. 9000 Karten sind verkauft, den Grazer Fan zeichnen Kühnheit und ein gewisses Urvertrauen in den österreichischen Fußball aus.

Der ÖFB hat Assistent Andreas Herzog und Franz Wohlfahrt, den neuen Tormanntrainer (ersetzt Klaus Lindenberger), als Vorhut geschickt. Für den 44-jährigen Wohlfahrt "schließt sich jetzt ein Kreis". Er hütete bis 2001 den nationalen Kasten, das Ende seiner Laufbahn war dann recht grauslich, ein 0:5 gegen die Türkei ist an Bescheidenheit kaum zu unterbieten. Auf Wohlfahrt folgte Alexander Manninger, der vermutlich gegen die Schweden arbeiten darf. "Aber das entscheidet Brückner", sagt Wohlfahrt, der sich vor allem als Berater der Keeper sieht. "Ausgebildet sind sie ja."

Das Tormannspiel habe sich in den vergangenen Jahren völlig verändert. "Weil das Tempo höher geworden ist. Zu meiner Zeit konnte man in aller Ruhe die Flanken fangen." Wohlfahrt wird auch den ÖFB-Nachwuchsteams gute Tipps geben, den Cheftrainerposten beim ASV Baden in der beinharten niederösterreichischen Gebietsliga behält er. "Wir trainieren dreimal in der Woche um 19 Uhr, da hat der ÖFB schon geschlossen." Über den Zustand des österreichischen Fußball, und damit ist eher nicht jener von Baden gemeint, wollte er sich nicht äußern. "Aber ich habe dazu meine Meinung. Auch wir hatten Phasen, in denen wir völlig daneben waren. Aber es gab immer wieder ein Hoch."

Herzog meint, dass generell weniger geredet, angekündigt und gejammert gehört. Er gab den überaus selten strapazierten Satz von sich: "Die Wahrheit liegt im Fußball immer auf dem Platz." Auch gegen Schweden. Man müsse versuchen, zu gewinnen, damit Selbstvertrauen für das WM-Qualifikationsspiel am 1. April in Klagenfurt gegen Rumänien getankt werde. "Es geht um ein Lebenszeichen und um ein bisserl Ruhe für den Betreuerstab." Der Termin dürfe nicht als Ausrede dienen, "für die Schweden ist es nämlich auch der 11. Februar."

Kaum Absagen

Immerhin ist dem ÖFB eine Absageflut wie jene vor dem bisher letzten Beisammensein im November des Vorjahres (2:4 gegen die Türkei) erspart geblieben. Lediglich Christoph Leitgeb (Meniskusbeschwerden) und Erwin Hoffer passten. Hoffer weilt mit Rapid in Belek und leidet an einer Schambeinentzündung. Am Sonntag hat er beim 3:2 gegen Tatran Presov zwei Tore erzielt. Herzog kann die Absage trotzdem nachvollziehen. "Erstens wollen wir keinen Krieg mit Rapid haben, und zweitens ist so ein Test im Trainingslager nur ein Laufen über die Wiese und kein ernstes Länderspiel."

Und was spricht eigentlich Mario Kienzl? "Erst dachte ich, die Einberufung ist nur ein Spaß. Es ist eine Ehre für mich, ich hoffe auf einen Einsatz, ich will gewinnen." (Christian Hackl, DER STANDARD Printausgabe 10.02.2009)

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    Tormann-Trainer Franz Wohlfahrt, Mario Kienzl und Teamchef-Assistent Andreas Herzog

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