Jon Stewart: Garant für Obama-Ironie

9. Februar 2009, 18:41
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Raffinierter als Stewart kann man Gesellschafts- und Medienkritik nicht üben - Für viele ist er der Beste - 14 Autoren sorgen für Gags

Wer hätte es gedacht? George W. Bush hinterlässt eine Lücke. US-Talker vermissen ihn sehr. Immerhin haben sie ihren Lieblingsreibebaum verloren. Und so wirken die Late-Night-Shows mit David Letterman, Jay Leno und Conan O'Brien ein wenig zahm. Barack Obama bietet zu wenig Angriffsfläche, für die Bissigkeiten der berühmten Talker. Nur Jon Stewart versorgt die Obama-Administration mit ätzenden Kommentaren.

Wortblasen

Besonders die Wortblasen des neuen Präsidenten haben es Stewart angetan. Er zeigte Ausschnitte von Obamas Amtseinführungsrede und stellte sie zu jener von Bush. Teile davon waren fast wortident: "Wir werden unseren Lebensstil verteidigen", sagte der eine. "Wir werden uns nicht für unseren Lebensstil entschuldigen", versprach der andere. Sich für das "große Geschenk Freiheit" einzusetzen, appellierten beide. Und so ging es weiter. Dabei ist Stewart bekennender Obama-Anhänger.

Aber raffinierter als er kann man Gesellschafts- und Medienkritik nicht üben: Natürlich macht sich Stewart in erster Linie über jene lustig, die naiv genug sind, an den "Wandel" zu glauben, wenn man ihn nur oft genug vorgesagt bekommt. "Ich muss sagen, es ist schon was dran an einem charismatischen Führer, der an einem öffentlichen Platz große Massen von Deutschen begeistern kann", ätzte er zum Berlin-Besuch des Präsidentschaftskandidaten Obama.

Für viele der Beste

Seit zehn Jahren verbindet Stewart in der "Daily Show" Nachrichten mit Politsatire. Für viele ist er heute der Beste. 14 Autoren sorgen für die Gags. Der Aufwand zahlt sich aus: 3,6 Millionen schauten im Oktober 2008 zu, als Obama zu Gast war. Durchschnittlich schafft der 47-Jährige zwei Millionen zwischen Montag und Donnerstag auf Comedy Central. 2006 und 2008 moderierte er die Oscar-Verleihung. Ein Ende der "Daily Show" ist nicht in Sicht. Gut so.

CNN International zeigt eine Zusammenfassung: Samstag: 15.30 und 21.30 Uhr. Sonntag: 11.30 Uhr. (Doris Priesching, DER STANDARD; Printausgabe, 10.2.2009)

 

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    3,6 Millionen schauten im Oktober 2008 zu, als Obama zu Gast war.

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