
Festgefahrenes schmelzen lassen.
Wo Festgefahrenes, eingeübte Denkmuster und Rollenzuschreibungen, die auch ein Gefühl der (Urteils-)Sicherheit vermitteln, gelockert werden, tun sich Handlungsspielräume auf. Das Projekt Schneeflöckchen setzt nun mit Plakaten im öffentlichen Raum dort an, wo es gilt, aus blockierenden Denkmustern auszubrechen: beim Täter-Opfer-Konzept. Projektinitiatoren sind neben dem oft im psychosozialen Bereich arbeitenden Kunstraum Goethestraße xtd die Einrichtung Neuland OÖ, die jene Menschen betreut, die aufgrund einer psychischen Erkrankung mit dem Strafrecht in Konflikt geraten sind.
Für die Plakate wählte Regisseurin und Schauspielerin Beate Göbel den Satz "Gedanken sind wie Schneeflocken, die auf eine heiße Herdplatte fallen" der buddhistischen Nonne L. Yeshe Sangmo. Die bildhafte Zeile soll zeigen, dass mit dem Verpuffen, dem Lösen festgeschriebener Gedanken persönliche Freiheiten gewonnen werden. Den Weg dorthin sieht Göbel im prüfenden Blick auf die eigenen Gedanken. Das Plakat soll dazu anregen, den Blick nach innen zu richten, denn "Gedanken haben die Kraft, unsere Umwelt zu be- und verurteilen". Im Erkennen der eigenen Prägungen werde eine Veränderung möglich. Vom Projekt, das durch einen Theaterworkshop mit Neuland-Klienten ergänzt wird, erhofft man sich aber auch Anstöße zum Thema "Forensische Psychiatrie", die die Schuldfähigkeit von Straftätern beurteilt. (kafe, DER STANDARD/Printausgabe, 10.02.2009)
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