Journalistinnen in Sierra Leone nackt durch Straßen gejagt

9. Februar 2009, 18:12
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Hatten sich im Radio gegen weit verbreitete Praxis ausgesprochen - Bondo-Gesellschaften genießen starken Rückhalt in Bevölkerung

Freetown - Im westafrikanischen Sierra Leone sind vier Journalistinnen gezwungen worden, nackt durch eine Ortschaft zu laufen, weil sie sich gegen die weibliche Genitalverstümmelung ausgesprochen hatten. Die Frauen waren in der Stadt Kenema im Osten des Landes von einer Pro-Beschneidungs-Gruppe verschleppt worden, die sie nackt durch die Straßen zerrte, bis Polizei und MenschenrechtlerInnen eingriffen.

Reaktion auf Radio-Bericht

Hintergrund soll ihre Berichterstattung über eine Kampagne am Internationalen Tag "Null Toleranz gegen Genitalverstümmelung" vergangenen Freitag gewesen sein. Die Chefin der Bondo-Geheimgesellschaft, Haja Massah Kaisamba, bekannte sich zu der Verschleppung der Journalistinnen. Die Frauen seien "in Gewahrsam genommen worden, weil sie sich im Radio unvorteilhaft über die Genitalverstümmelung geäußert haben", sagte sie vor Journalisten.

Gruppierungen mit hohem Einfluss

Geheim-Gesellschaften verfügen in Sierra Leone über starken Einfluss, weshalb sich viele PolitikerInnen aus Angst um WählerInnenstimmen scheuen, sich für ein Verbot der Genitalverstümmelung auszusprechen. UNO-Angaben zufolge sind in dem Land 94 Prozent der Frauen und Mädchen im Alter von 15 bis 49 Jahren beschnitten. (APA/ag.)

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