"Keine Kreisky-Ideologie"

9. Februar 2009, 18:09
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Für die totale Offenlegung der Gagen, gegen eine verordnete Deckelung und gegen die zuletzt geforderten sozialen Kriterien für Bonifikationen spricht sich Ex-ÖIAG-Chef Erich Becker im Gespräch mit Karin Bauer aus.

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STANDARD: Gehören Managergagen gedeckelt?

Becker: Dort, wo der Staat in die Eigentümerrolle geht, kann er natürlich mitreden. Anderen Eigentümern soll er nicht dreinreden, schon gar nicht börsennotierten Unternehmen.

STANDARD: Sollen jene Bankmanager, die staatliches Partizipationskapital abrufen, beschränkt werden?

Becker: Ich hätte ein gewisses Verständnis, wenn das in den Verträgen drinsteht.

STANDARD: Haben die Aufsichtsgremien der Konzerne bezüglich der Angemessenheit von Managerentlohnungen versagt?

Becker: Der Marktwert eines Managers ist ein zentrales Kriterium. Es ist natürlich Aufgabe des Aufsichtsrats, der Vorsitzenden, den Markt auszuloten. Der Marktwert eines Managers ist so hoch wie die Bezahlung, die er sofort in einem anderen Unternehmen erhalten könnte. Das bezweifle ich in Österreich bei einigen.

STANDARD: Das Gehalt des Bundeskanzlers soll also keine Richtschnur für die Gage sein?

Becker: Sicher nicht, das ist gar kein Maßstab.

STANDARD: Wie sollen die Bonifikationen festgelegt werden? Sollen Beschäftigungsquoten und Investitionssummen als fixe Kennzahlen dienen?

Becker: Nein, das sicher nicht. Das hatten wir schon in der Verstaatlichten - da komme ich ja her. Kopfprämien sind eine Ideologie aus der Kreisky-Zeit. In freien Unternehmen kann man Beschäftigungspolitik nicht verordnen. Anbindung an den Kurs ist nicht mehr modern, also am besten ist die Performance längerfristig an den Jahresabschlüssen fest zu machen. Da ist alles zu sehen, was das Management zusammengebracht hat. Es kann - Stichwort "bad bank" - auch nicht sein, dass man Managern die Lasten wegnimmt und sie dann einfach ungestört weitermachen dürfen.

STANDARD: Sind Sie für die totale Offenlegung der Einkommen?

Becker: Ja, sicher. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10.02.2009)

Zur Person

Erich Becker (67), Ex-ÖIAG- und VA-Tech-Chef, heute u.a. im Verein "Die Aufsichtsräte" tätig.

  • Erich Becker
    foto: standard/regine hendrich

    Erich Becker

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