Warten auf den Schlussgesang

9. Februar 2009, 17:49
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Angela Denokes bejubeltes Staatsoperndebüt als Salome

Wien - Man weiß längst, zu welch atemberaubenden stimmlich-darstellerischen Leistungen Angela Denoke in der Lage ist. Bei der Salome-Aufführung musste man auf die Faszination jedoch bis zum grandiosen Schlussgesang warten.

Eigentlich fühlte man sich während der letzten Viertelstunde in ein anderes Opernhaus versetzt. In ihrem großen Solo entwickelte Denoke eine eigenes Dramolett, in dem auf bohrend intensive Weise alles, das nachgereicht wurde, was diese optisch desolate Vorstellung an Psychologie, an Pathologie, an irrer Verzückung schuldig geblieben ist.

Grell und Dunkel, Hochtöne und das mit Mezzopracht in extremer Tiefe zu singende "Geheimnis des Todes" - all dies wirkte zusammen mit dem von Stefan Soltesz geleiteten, dynamisch etwas großzügigen sowie farbenreichen Opernorchester so frisch und gleichzeitig so schmerzhaft verwundend, als würden Wahn und Glück dieser Szene zum ersten Mal empfunden. Wäre der Rest, der diesem Finale vorangegangen ist, nur Schweigen gewesen. Obwohl mit Thomas Moser ein überdurchschnittlicher Herodes und mit Janina Baechle eine ausreichende Herodias aufgeboten waren, herrschte während der Aufführung eine szenische Lähmung, die auch vor Oskar Hillebrandt nicht haltmachte, der für Alan Titus als Jochanaan eingesprungen war.

Diese kollektive szenische Ratlosigkeit war auch der Grund, warum Denoke, die bald zur Kammersängerin ernannt wird, nicht von Anfang an zum energetischen Zentrum des Stückes werden konnte. Ihre verlegenen Gänge, während sie von Herodes den Kopf des Jochanaan forderte, hätten von irgendeinem Abendregisseur ja doch etwas fantasievoller gestaltet werden können. Ebenso wie der Schleiertanz, der den Sexappeal einer Gesundenuntersuchung verströmt. Bei so viel szenischer Langeweile kann Alfons Haider auch getrost den Staatsopernball moderieren. Fader kann auch dieser nicht werden. (Peter Vujica, DER STANDARD/Printausgabe, 10.02.2009)

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