In Rinkeby brennt das Parkett

9. Februar 2009, 17:44
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Fehlgeleitete schwedische "Invasion" von Jonas H. Khemiri

Wien - Regisseur Sebastian Schug hat das Stück Invasion! des jungen schwedischen Autors Jonas Hassen Khemiri seltsam ernst genommen: In zahlreichen Anmerkun-gen erklärt der Dramatiker einem "Sachbearbeiter" die potenziellen Unklarheiten seines trashigen Migrantenstückes. Rinkeby, heißt es in einer Fußnote, ist jener Vorort Stockholms, in dem überwiegend Einwanderer leben. Schug lässt diese und folgende Erläuterungen bei der Erstaufführung im Wiener Schauspielhaus ideensparsam von seiner Assistentin einlesen.

Die Kinder der schwedischen Banlieues gehen ins Theater, wo sie nicht nur das Parkett verwüsten, sondern in einem Stück des schwedischen Romantikers Almqvist den bösen "Corsar-Araber" Abulkazem kennenlernen. Im Schauspielhaus plagen sich in deren Rollen mit falschen Bärten behängte Schauspielerinnen, die mit stark bundesdeutscher Prägung lockeres Asylantenvokabular nachahmen: Aus "megageil" wird "koma Abulkasem" . Oder: "Wer ist Shakespeare, ihr Nutten?"

Abulkazem, erfährt man in 70 Spielminuten, die einer wirren Vorlage keine Struktur geben können, ist heute ein Migrant mit vielen Gesichtern. Er könnte ein türkischer Macho sein oder ein pakistanischer Apfelpflücker. Ein Forscherteam hat ihn offenbar als gefährlichen Terroristen entlarvt und quer über den Globus gejagt.

Khemiris Anspielungen auf die Bush/Blair-Ära werden zwischen schlecht eingerichteten Sketches undeutlich ins Publikum genuschelt. Invasion! ist scheinbar kein politisches Stück. Auch kein dramatisches Migrationsschicksal. Auch kein poppiger Integrations-Rap. Keine Banlieue-Komödie. Von allem ein bisschen. Und das ist dann doch zu wenig. (Isabella Hager, DER STANDARD/Printausgabe, 10.02.2009)

Bis 28.3.

 

  •  Das Stück Invasion! des jungen schwedischen Autors Jonas Hassen Khemiri.
    foto: schauspielhaus

    Das Stück Invasion! des jungen schwedischen Autors Jonas Hassen Khemiri.

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