Die Frage nach den Bischofsmachern

9. Februar 2009, 17:29
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Linzer Bischof widerspricht Abt Henckel-Donnersmarck

Wien/Linz - Der Protest aus Linz folgte prompt: „Als Bischof bin ich an das päpstliche Schweigegebot gebunden, genauso wie alle anderen Personen, die in den Befragungsprozess eingebunden waren. Mit Abt Henckel-Donnersmarck habe ich diesbezüglich nie gesprochen. Überdies sieht das Kirchenrecht bei Bischofernennungen nur einen Dreierverschlag durch den zuständigen Diözesanbischof vor", lies der Linzer Bischof Ludwig Schwarz dem Abt von Stift Heiligenkreuz am Montag ausrichten.

Grund für diese Erklärung zur Bestellung des Linzer Weihbischofs war ein Standard-Interview mit Abt Gregor Henckel-Donnersmarck. Dieser hatte erklärt, so weit er wisse, habe Schwarz den Windischgarstner Pfarrer Gerhard Maria Wagner „ganz bewusst in Rom vorgeschlagen". In der ORF-Sendung „Im Zentrum" legte der Abt Sonntagabend nach: Der Erstvorschlag von Schwarz sei „vom Papst als unzureichend zurückgewiesen worden". Dann sei Wagner „vorgeschlagen" worden. Für die Bestellung gibt es ein klares Prozedere: Am Anfang steht ein geheimer „Dreiervorschlag". Drei mögliche Kandidaten, ausgesucht vom Bischof, vom Nuntius geprüft und dann dem Papst vorgelegt. Bei der Wahl des Weihbischofs ist jedoch der Vorschlag nicht bindend.

In der Causa Wagner geht es für Rainer Bucher, Pastoraltheologen an der Uni Graz, nur mehr um Schadensbegrenzung. „Nach den Erfahrungen der Bischofsernennungen in den 1980er-Jahren sind vermehrt Austritte zu erwarten", sagt er. Um die Situation zu entschärfen, sollte der verantwortliche Diözesanbischof ein „klares Signal setzen, dass die pastorale Linie der Diözese Linz nicht grundlegend verändert wird". Die Wahl Wagners sei ein „Zeichen für einen Kurswechsel, nur das heißt nicht, dass er auch vollzogen werden muss. Jetzt beginnt die Auseinandersetzung." (mro, pm, DER STANDARD, Printausgabe, 10.2.2009)

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