Wenn der Katholik am Geldhahn dreht

9. Februar 2009, 17:27
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Aus Protest bleiben die Kirchenbeiträge oft aus - in der Diözese Linz drohen Klagen

Wien/Linz - BZÖ-Nationalratsabgeordneter Ewald Stadler zahlt keinen Kirchenbeitrag. Derzeit - bis zu seinem Bruch mit der Piusbruderschaft vor einem Jahr hat er als „traditionsbewusster Katholik", wie er sich selbst sieht, seinen Beitrag dorthin überwiesen. Seinen Austritt erklärt er damit, dass die Pius-Brüder „nie wirklich an einer Aussöhnung mit dem Vatikan interessiert waren". Es habe schon eine „weitgehende Einigung gegeben, doch sie wollten nicht". Damit sei die Bruderschaft auf „der gleichen Stufe wie Luther", sagt Stadler im Gespräch mit dem Standard.

Eine neue Pfarre habe er bereits gefunden, den Kirchenbeitrag hält er aber nach wie vor zurück, denn: „Ich zahle nur dort ein, wo das Geld der Tradition zugute kommt." Laut dem BZÖ-Mann laufen darüber schon seit einem Jahr intensive Gespräche mit der Bischofskonferenz. „Es geht nicht nur um mich, das sind ja noch hundert andere Betroffene", sagt Stadler. Er wolle einmal die Entscheidung der Bischöfe abwarten. Angst vor einer Klage wegen seines ausständigen Kirchenbeitrages hat Stadler jedenfalls keine: „Die sollen nur klagen." So weit ist man jetzt in der Diözese Linz. Dort plant man, den Rechtsweg gegen rund 300 Kirchenbeitragsverweigerer aus ganz Österreich zu beschreiten.

Der Grund, warum die Mitglieder-Plattform „kirchentreu" seit gut zwei Jahren der Kirche ihre finanzielle Unterstützung verwehrt und Kirchenbeiträge auf ein Treuhandkonto zahlt, ist durchaus kurios. Als im Jahr 2006 die Diözese eine Multimedia-CD an 15.000 Erstzahler des Kirchenbeitrages schickte, waren konservative Katholiken empört, weil entgegen der offiziellen päpstlichen Sexuallehre auch frei über Verhütung geredet wurde und Schwule und Lesben nicht diskriminiert wurden.

Geldsegen für Bischofskonto

Den Gegnern reichte es nicht, dass Bischof Ludwig Schwarz „Fehlschritte" bedauerte und den Behelf zurückzog. Nach der unerfüllten Forderung, dass die Führung der Katholischen Jugend und der Pressereferent entlassen werden müssten, blieben die Zahlungen aus. Nach etlichen Gesprächen folgten blaue Briefe, jetzt ist eine Klage in Vorbereitung.

Einer, der nach Jahren der Verweigerung plötzlich wieder bereit ist, sein Geldbörsl für die Kirche zu öffnen, ist Friedrich Engelmann, langjähriger Herausgeber der erzkonservativen Monatszeitschrift Der 13. Engelmann: „Weil Bischof Schwarz den neuen Weihbischof Wagner so nett aufgenommen hat, zahle ich auch wieder meinen Kirchenbeitrag." Nachsatz: „Aber nur dem Bischof auf sein persönliches Konto." Geklagt habe ihn die Diözese Linz übrigens nie. (Peter Mayr und Markus Rohrhofer, DER STANDARD, Printausgabe, 10.2.2009)

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