In 23 Gemeinden nur ein Bürgermeister-Kandidat

9. Februar 2009, 16:41
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Ortschef kein begehrenswerter Job mehr - Lehrgang für Bürgermeister soll nötiges Rüstzeug geben

Salzburg - In jeder fünften Salzburger Gemeinde ist die Bürgermeister-Wahl schon vor dem Urnengang am 1. März entschieden: In 23 Kommunen kandidiert nur ein Bewerber für den Posten des Ortschefs. Bei der ersten Bürgermeister-Direktwahl 1994 hatte es noch in jedem Ort   mindestens zwei Kandidaten gegeben. Früher sei der Bürgermeister ein ehrenvoller Repräsentant gewesen, heute sei er "ein Beichtvater und Manager, der für alles verantwortlich ist", resümiert Gemeindebundpräsident Helmut Mödlhammer (V). Ein Bürgermeister-Lehrgang im Frühjahr in Salzburg soll den Kommunalpolitikern zu mehr Mut und fachlichem Know-how verhelfen.

"Viele wollen sich das Amt nicht mehr antun. Erstens weil sie keine Chance sehen, und zweitens weil das Amt wegen der vielen Arbeit nicht mehr so erstrebenswert ist. Nahezu rund um die Uhr ist man im Einsatz, zu 90 Prozent sitzt man im Gemeindeamt und muss wichtige Entscheidungen treffen. Und am Abend hat man viele gesellschaftliche Verpflichtungen zu erfüllen", weiß Mödlhammer aus Erfahrung. Er ist langjähriger Bürgermeister des 3.700 Einwohner zählenden Ortes Hallwang im Flachgau.

In den 119 Salzburger Gemeinden stellen sich insgesamt 260 Kandidaten der Bürgermeisterwahl. In 23 Gemeinden geht jeweils nur ein Anwärter ins Rennen. Diese sind: Annaberg-Lungötz, Rußbach (Tennengau), Dorfbeuern, Ebenau, Fuschl, Göming, Nußdorf (Flachgau), Eben, Filzmoos, Großarl, Hüttschlag, Untertauern, Wagrain, Werfen, Werfenweng, Altenmarkt (Pongau), Lessach, Unternberg, Weißpriach (Lungau), Fusch, Lend, Lofer und Weißbach bei Lofer (Pinzgau). Die meisten "Solos" werden von ÖVP-Kandidaten bestritten, nur in Lend, Untertauern und Werfen sind es SP-Kandidaten.

In Gemeinden, wo nur ein Kandidat am Wahlzettel steht, können die Bürger nur mit "Ja" oder "Nein" abstimmen. Falls mehr als die Hälfte gegen den einzigen Kandidaten votiert - was noch nie der Fall war - muss der Bürgermeister vom Gemeinderat gewählt werden.

Mit einem eigenen Lehrgang für Bürgermeister will der Gemeindebund nun Kommunalpolitikern das nötige Rüstzeug für den Job mitgeben. Dass der Ortschef Verwaltungsbehörde sowie Baubehörde sei und für Raumordnungsentscheidungen gerade stehen müsse "macht seine Arbeit nicht leichter", so Mödlhammer. Die Bürgermeister würden immer öfter mit Klagen konfrontiert und trotz der großen Verantwortung sei der Job bei einem durchschnittlichen Netto-Gehalt von maximal 2.000 Euro in einer Gemeinde mit 3.000 bis 4.000 Einwohner nicht gerade lukrativ.

Die "schulische Begleitung" für Bürgermeister startet am 24. April im Gemeindezentrum in Anif. Die Teilnehmerzahl ist auf 35 begrenzt. Vom Vorschlag, das Gemeindewahlrecht zu ändern und die Erstgereihten der Parteienlisten automatisch in den Kampf um den Bürgermeistersessel zu schicken, hält Mödlhammer nicht viel. Jemanden zu zwingen, obwohl er gar nicht will, "ist nicht sinnvoll". Er hofft, dass nach der Wahl eine vernünftige Lösung zur besseren sozialrechtlichen Absicherung der Bürgermeister gefunden wird. "Da besteht höchster Handlungsbedarf." (APA)

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