Kritik an Suhrkamp-Verlegerin: Muschg geht zu C.H. Beck

9. Februar 2009, 15:12
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Stiftungsrat wurde mit Umzugsplänen nie befasst

Frankfurt/Main - Der Schweizer Schriftsteller Adolf Muschg, einer der prominentesten Suhrkamp-Autoren, wechselt zum C.H. Beck nach München. Nach 35 Jahren fühle er sich dem Suhrkamp Verlag "nicht mehr zugehörig", sagte Muschg der Deutschen Presse-Agentur dpa am Montag. Bis vor kurzem saß er als einziger Autor im Stiftungsrat des Frankfurter Verlags.

Standortwechsel war nicht abgesprochen

Muschg kritisierte, dass Verlegerin Ulla Unseld- Berkéwicz das Gremium über zentrale Fragen des Unternehmens wie zum Beispiel die Übersiedlung nach Berlin nie informiert habe. "Das hätte unbedingt (in den Beirat) reingehört." Schließlich sei mit einem Standortwechsel auch eine Umstrukturierung des Personals verbunden. Suhrkamp hatte am Freitag angekündigt, dass der Verlag mit seinen 130 Beschäftigten Anfang 2010 nach Berlin umziehen werde.

Muschg ist aus dem Beirat, der die Unseld-Familienstiftung als Mehrheitsgesellschafter der Verlags beraten soll, bereits im vergangenen November freiwillig ausgeschieden. Jahrelang galt der Schweizer Autor als enger Verbündeter der Verlagschefin. Nach der Machtübernahme im Verlag durch Unseld-Berkéwicz, der Witwe von Verlagspatriarch Siegfried Unseld, war 2003 der alte Stiftungsrat aus Protest zurückgetreten. Er habe dann auf Wunsch der Verlegerin als einziger Autor auch beim neuen Stiftungsrat mitgemacht, sagte Muschg. Sein Ablösung von Suhrkamp bezeichnete er als "langen schmerzhaften Prozess ohne Eklat".

Bei C.H. Beck wird das neue Buch Muschgs, der von 2003 bis 2006 Präsident der Akademie der Künste zu Berlin war, voraussichtlich 2010 erscheinen. Dies bestätigte der Münchner Verlag am Montag. In den Beirat der Unseld-Stiftung rücke für Muschg die Literaturwissenschaftlerin Rachel Salamander nach, sagte eine Suhrkamp-Sprecherin am Montag. (APA/dpa)

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