"Mein Herz schlägt für Gold"

9. Februar 2009, 14:52
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Lindsey Vonn nimmt sich das zweite Gold, gewinnt die Abfahrt vor Lara Gut und Nadia Fanchini. Görgl bleibt Blech, Götschl verliert haushoch

"Bis zur Lindsey hab ich gehofft, dass sich was ausgeht. Sie ist ja auch nur ein Mensch, der Fehler machen kann." Sagte Elisabeth Görgl, zurückblickend auf die nicht allzu lange Zeit, die sie hoffend und bangend im Ziel verbracht hatte, im Zwischenklassement auf dem bronzenen Platz rangierend. Immerhin hatte Lindsey in der Superkombi insofern bewiesen, dass sie ein Mensch ist, als sie im Slalom patzte, jenes Gold vor Augen, das Kathrin Zettel gewann. Dieser Patzer war auch an Görgls Bronze beteiligt gewesen.

Doch am Montag patzte Lindsey Vonn nicht, siegte deutlich vor der erst 17-jährigen Lara Gut, die schon in der Kombi Silber verdient hatte und sich und den Schweizer Skisportfreunden noch viel Freude bereiten wird in den Bergen, sowie Italiens Nadia Fanchini.

Götschl und der Hugo

Görgl grämte sich über Blech, aber vielmehr grämte sich Renate Götschl. "Alles für den Hugo", kommentierte die Steirerin das schlechteste WM-Ergebnis ihrer Karriere exklusive Ausfällen, den 24. Platz. Götschl (33), die es bisher auf elf Medaillen gebracht hat inklusive Olympia und Teambewerben, darunter drei Goldene, und die so gern auf den Namen Speed-Queen hört, den sie sich als Abfahrtsweltmeisterin 1999 in Vail eingetragen hatte: "Wenn man bei seinem letzten WM-Rennen vier Sekunden hinten ist, dann kann man sich nur ein Loch graben, hineinspringen und zuschütten." Sie tat es nicht, nahm sich aber dafür fest vor, die "Delete-Taste" zu drücken. Ein Schutzengel stand der 19-jährigen Salzburgerin Anna Fenninger zur Seite, als dieser nach einer Verkantung ein böser Sturz drohte. Hermann Maiers Großcousine, Andrea "Fischi" Fischbacher, wurde ganz normal Siebente.

Vonn und der Thomas

Lindsey Vonn, nach der Kombi traurig, durfte wieder lustig sein. "Mein Herz schlägt für Gold", sagte sie unter anderem. Die 24-Jährige aus Minnesota, die mit ihren Eltern schon als Kind nach Vail, Colorado, übersiedelte, auf dass sie in den Rocky Mountains lerne, wie man die Skiwelt aufmischt, hat noch lange nicht genug davon. Die amtierende Weltcupsiegerin gewann schon in allen Disziplinen exklusive Riesenslalom, und der der ist auch nur eine Frage der Zeit,

So nervös sei sie gewesen am Start nach dem ärgerlichen Kombi-Ausfall, erzählte sie, so schön sei es gewesen, als Thomas, ihr Ehemann, ein ehemaliger Rennläufer, der aus einer Kildow vor rund eineinhalb Jahren eine Vonn gemacht hatte, sie beruhigte.

Frau Vonn ist im Winter mit ihren Kolleginnen vom US-Skiteam auf einem Bauernhof in Kirchberg in Tirol daheim und im Sommer in Park City in Utah. Beim US-Abfahrtstrainer handelt es sich um den Österreicher Alexander Hödlmoser. Zudem trainiert sie im "Athletes Special Project" von Red Bull in Thalgau, dem der ehemalige ÖSV-Abfahrtscoach Robert Trenkwalder vorsteht. Lindsey Vonn kriegt jetzt Gold und Prämien von ihren Ausrüstern und Sponsoren. Offizielles Preisgeld wird nicht angeboten bei der WM, und damals, vor etwas mehr als zwei Jahren in Val d'Isère, als sie nach ihrem Abfahrtssieg wählen durfte zwischen 1500 Euro und einer Kuh, nahm sie klugerweise das Vieh und verpasste ihm den Namen USA. Sie, die Kuh, hat es schön in Kirchberg, so schön, dass sie schon zweimal kalbte und Gerüchten zufolge schon wieder trächtig sein soll. (Benno Zelsacher aus Val d'Isère, DER STANDARD Printausgabe 10.02.2009)

Athleten und Athletinnen, die bisher bei ein und derselben alpinen Ski-WM Abfahrt und Super-G gewonnen haben (Super-G ist seit 1987 WM-Disziplin):

DAMEN:

1987 - Crans Montana: Maria Walliser (SUI)

2007 - Aare: Anja Pärson (SWE)

2009 - Val d'Isere: Lindsey Vonn (USA)

HERREN:

1999 - Vail: Hermann Maier (AUT)

2005 - Bormio: Bode Miller (USA)

Links

Lindsey Vonn

Lara Gut

Nadia Fanchini

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    Die neue Speed-Queen: Lindsey Vonn.

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    Auch nicht übel: Lara Gut staubt Silber ab.

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    Es könnte besser laufen: Maria Riesch steht noch ohne Medaille da.

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