Wer unorientiert studiert, verliert den Uni-Platz

9. Februar 2009, 17:32
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Alle Studienanfänger sollen in Zukunft eine "Orientierungsphase" durchlaufen müssen - Wer sie positiv absolviert, darf weiterstudieren

Wien - Noch im Sommer vergangenen Jahres stand der Wissenschaftsrat mit seiner Forderung nach „schlicht notwendigen" Zulassungsregelungen für alle Studien politisch ziemlich im Regen. Jetzt, eine geplatzte Regierung und ein neues Regierungsprogramm später, ist die von Wissenschaftsratsvorsitzenden Jürgen Mittelstraß im Standard-Interview erhobene Forderung ministerratsreif.

Wissenschaftsminister Johannes Hahn wird heute, Dienstag, beim „mobilen Ministerrat" in Sillian seine Vorstellungen einer „Optimierung" des Universitätsgesetzes 2002 präsentieren. In Hahns „Qualitätsnovelle" steht unter dem Motto „Autonomie stärken und weiterentwickeln" als erstes die „Verpflichtende positive Absolvierung einer flexiblen Studieneingangs- und Orientierungsphase, die einen Querschnitt des im Fachbereich zu erwartenden Stoffs vermittelt, in allen Diplom- und Bachelorstudien, deren Zulassung nicht besonders geregelt ist". In Medizin sind Auswahlverfahren jetzt schon obligatorisch.

Ein von den Rektoren langgefordertes Recht bekommen sie ebenfalls zugesprochen. Für Master-Studien sollen sie autonom, transparent und nach „qualitativen Gesichtspunkten" Aufnahmevoraussetzungen festlegen dürfen. Ein Bachelor der jeweiligen Uni soll aber auf jeden Fall ein Eintrittsticket für ein Master-Studium sein.

Im EU-Vergleich sind zugangsregulierte Master-Studien bereits Normalität. Die Palette reicht von der Erfordernis eines „überdurchschnittlichen Bachelor-Abschlusses" oder „Mindestnoten" über Auswahlgespräche bis hin zu exakt definierten Sprachkenntnissen.

Für PhD-Studiengänge, die den alten Doktoratsstudien entsprechen, können die Unis absolut unabhängig „leistungsorientierte Auswahlverfahren" entwickeln. Als „klarer Schwerpunkt" wird die Förderung von Frauen genannt. Dazu findet sich in Hahns Papier die bereits mehrfach angekündigte 40-Prozent-Quote für Frauen in allen Uni-Gremien und Organen. Die Leistungsvereinbarungen sollen in Zukunft auch „gesellschaftspolitische Leistungen" der Unis wie Frauenförderung oder berufsbegleitende Studien honorieren.

Auch Bildungsministerin Claudia Schmied bringt einen „Ministerratsvortrag" mit. Sie legt die gemeinsame Lehrerausbildung auf den Tisch. Bis Jahresende soll eine Expertengruppe - ohne Einbindung von Fachdidaktikern, was diese in einem Protestbrief kritisieren - Vorschläge entwickeln. (Lisa Nimmervoll, DER STANDARD, Printausgabe, 10.2.2009)

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