Verdächtigung aus berufenem Mund

9. Februar 2009, 12:56
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Gerüchte über positiven Dopingtest eines österreichischen Biathleten - ÖSV bereitet Klage gegen "L'Equipe" vor

Pyeongchang/Paris/Innsbruck - "Das ist Rufmord. Das ist genauso schlimm, wie wenn jemand dopt." Markus Gandler sagte das, der sportliche Leiter der österreichischen Biathleten. Und seine Empörung war geradezu greifbar. Der Zorn des 42-jährigen Tirolers galt der französischen Sporttageszeitung L'Equipe, die bereits in ihrer Freitagausgabe berichtet hatte, dass beim Weltcupauftakt der bewaffneten Langläufer Anfang Dezember des Vorjahres in Östersund, Schweden, acht und nicht wie bisher angenommen drei Athleten positive Dopingtests abgeliefert hätten.

In Pyeongchang, Südkorea, wo am Samstag die einschlägige WM anhebt, machte daraufhin das Gerücht die Runde, dass die gewöhnlich bestens informierte L'Equipe auch von einem gedopten Österreicher wissen will. Entsprechende Hinweise kämen aus dem Labor in Châtenay-Malabry bei Paris. Die üble Kunde verbreitet hat der deutsche Trainer der schwedischen Herren, Wolfgang Pichler, unter Berufung auf französische Kollegen, die ihre Informationen wiederum aus einem Internet-Fachforum haben. "Wenn das zutrifft, wäre es der größte Hammer", sagt Pichler der Süddeutschen Zeitung.

Gandler und der österreichische Skiverband (ÖSV) halten sich lieber an L'Equipe, wollen die Zeitung klagen. Es gebe nicht den geringsten Anhaltspunkt für einen Dopingfall im österreichischen Team. Weder der internationale Biathlonverband (IBU) noch die nationale Antidoping-Agentur (Nada) hat entsprechende Meldungen. "Wir haben keine Informationen über einen positiv getesteten österreichischen Biathleten", sagte Nada-Chef Andreas Schwab. Die Nada selbst hat das ÖSV-Team anlässlich des Weltcups Ende Jänner in Antholz besucht und sowohl Blut- als auch Urintest vorgenommen. Die Proben werden derzeit im Labor Seibersdorf ausgewertet.

Der IBU liegen inzwischen nur drei positive A-Proben vor. Sie sollen von Jekaterina Jurjewa, Albina Achatowa und Dimitri Jaroschenko, allesamt aus Russland, stammen. Das Trio steht im Verdacht, ein völlig neues Epo-Präparat benutzt zu haben. Allerdings sind die Analysen der B-Proben noch nicht abgeschlossen. Die Sportler sind trotz provisorischer Sperren durch die IBU nach Südkorea gereist.

Dass nun auch ein Österreicher (neben weiteren Russen und Ukrainern) verdächtigt wird, ist für Gandler leicht erklärt. "Man will unsere Erfolge zunichte machen und unsere Leute vor der WM verunsichern." Tatsächlich werden dem ÖSV-Team in Pyeongchang gleich mehrere Medaillenchancen eingeräumt. Die Staffel ist nach zwei Siegen, einem zweiten und einem dritten Rang im Weltcup quasi eine Bank. (lü, DER STANDARD Printausgabe 10.02.2009)

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    Österreichs Biathleten sehen sich vor der WM in Südkorea als Zielscheibe für Rufmörder.

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