"Unlösbare Dinge werden der EU zugeschoben!"

9. Februar 2009, 10:34
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Interessante Antworten und zahlreiche neue Erkenntnisse, die den Mensch Kronberger in ein anderes Licht rückten

Wien. Sechs Jungjournalistinnen, die an einem EU Medienseminar teilnahmen durften Hans Kronberger ein paar Fragen zum Thema Journalismus, Umwelt und Politik stellen. Dabei stießen sie auf interessante Antworten und zahlreiche neue Erkenntnisse, die den Mensch Kronberger in ein anderes Licht rückten.

Kronberger: Eine Befragung von 26 000 EU-Bürgern zeigt, dass 51% nicht interessiert sind an den bevorstehenden EU-Wahlen. Nur 8% sind interessiert, 38% etwas. Was sagen Sie zum Desinteresse der Bürger?

Im Grunde ist es sehr dramatisch, denn die EU-Betrifft jeden. Leider ist es noch nicht jedem bewusst, in welchem Ausmaß da die entscheidenden Rahmenbedingungen für das Leben innerhalb der EU in Brüssel und Straßburg gestaltet werden.

Kronberger: Wie würden Sie das Interesse der Bürger wecken?

Ich würde versuchen, den Bürgern die EU deutlich näher zu bringen. Die EU wird sehr oft von lokaler, regionaler und nationaler Politik dazu missbraucht, Dinge die man im eigenen Lande nicht lösen kann, der EU zuzuschieben. Dadurch ist auch so ein großes Desinteresse noch vorhanden.
Was halten Sie von 16-jährigen Wählern?

Kronberger: Meine Kinder haben erst mit 18 begonnen zu wählen und sie sagten, dass war früh genug. Es ist aber auch eine Frage des politischen Interesses. Den 16-Jährigen ist es selbst überlassen, für welche Partei sie sich entscheiden. Wobei man meinen könnte, dass sie das Alterslimit gesenkt haben, um daraus profitieren zu können.

Würden Sie sich selbst als Umweltaktivist bezeichnen?

Kronberger: Ja, grundsätzlich schon, vor allem durch meine beiden Berufe als Journalist und Politiker wollte ich aktiv ein Zeichen setzten.

Wie ist es zur Entstehung des Umweltjournalistenpreises gekommen, den Sie finanzieren, und wer bekommt diesen Preis?

Kronberger: Dadurch, dass ich zuerst als Journalist tätig war und dann in die Politik wechselte, weiß ich natürlich, dass man als Umweltjournalist weniger verdient. Mit diesem Preis unterstütze ich damit jene Journalisten.

Sie waren von 1996 bis 2004 FPÖ Abgeordneter, wobei sich die Grünen doch mehr mit dem Umweltschutz befassen.

Kronberger: Die FPÖ hat mich zu einem Mandat eingeladen, die Grünen nicht -und sie hätten mich wahrscheinlich auch nicht genommen (lacht).

Was sagen sie zum Fall Voggenhuber?

Kronberger: Gibt es den einen Fall Voggenhuber? (lacht). Ich will ihn nicht bewerten, aber seine Partei hat keine dynamische Beziehung zur EU.

Was war die größte Veränderung nach dem tragischen Tod Jörg Haiders?

Kronberger: Jörg Haider spielte in der Nachkriegszeit politisch eine große Rolle und sorgte für viele Nachdenkprozesse. Er sorgte für viele Innovationen. Die Rede des Bundeskanzlers beim Begräbnis hat mich auch sehr beeindruckt.

Haben Sie jemals davon profitiert ein Steirer zu sein?

Kronberger: Direkt Vorteile hatte ich in Brüssel nicht, aber ich bin trotzdem glücklich, Steirer zu sein, und hoffe, dass ich meinen Dialekt nicht ganz verlernt habe. Aber da gab es einmal eine witzige Begebenheit in einem Radiointerview, wo mich der Interviewer fragte ob ich mich freuen würde, wenn mein Gehalt in Most, Speck und Kernöl ausbezahlt werden würde.

Danke für das Gespräch!

Die Fragen stellten: Lisa Suppan, Katja Großschädl und Fabienne Schantl aus der HLW Feldbach

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