Barclays mit Milliardengewinn

9. Februar 2009, 15:00
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Gewinnrückgang bei der britischen Großbank fiel geringer aus als gedacht - Keine Bonus-Zahlungen an Vorstände

London  - Im Gegensatz zu vielen Rivalen rund um den Globus schreibt die britische Großbank Barclays in der Finanzkrise Milliardengewinne. Das Institut verdiente 2008 vor Steuern 6,1 Mrd. Pfund (7 Mrd. Euro). Das sind zwar 14 Prozent weniger als 2007, aber deutlich mehr als am Markt erwartet wurden. Dabei profitierte das Geldhaus von Sondereffekten: So war etwa die Übernahme von Teilen der US-Investmentbank Lehman Brothers zu einem Schnäppchenpreis ein Ergebnistreiber. Zugleich senkte das Geldhaus Personalausgaben und halbierte die Boni für die Banker.

"Wir brauchen kein frisches Kapital", versicherte Barclays-Chef John Varley am Montag trotz Abschreibungen im Gesamtjahr von acht Mrd. Pfund. Für das laufende Jahr gab er sich allerdings zurückhaltend: "2009 wird ein weiteres hartes Jahr", warnte Varley. Nach den Abschreibungen auf Wertpapiere folgten nun in der Rezession erhöhte Kreditausfälle.

Aktie legt kräftig zu

Die Ergebnisse von Barclays beruhigten die von der anhaltenden Finanzkrise verunsicherten Investoren in Europa. Die zuletzt arg gebeutelten Finanzwerte gehörten zu den größten Gewinnern. Barclays-Papiere schnellten um fast zehn Prozent in die Höhe. In Deutschland gewannen die Aktien von Deutscher Bank und Commerzbank jeweils fast sechs Prozent. Die Deutsche Bank hat 2008 einen Vorsteuerverlust von 5,7 Mrd. Euro geschrieben. Auch beim zweitgrößten deutschen Geldhaus erwarten Experten tiefrote Zahlen.

Während bei den meisten Instituten besonders die Investmentbanking-Sparten mit hohen Verlusten zu kämpfen haben, kann Barclays hier trotz der Abschreibungen noch einen Gewinn von 1,3 Mrd. Pfund vorweisen. Wesentlicher Grund war ein positiver Ergebniseffekt von 2,3 Mrd. Pfund im Zuge der Lehman-Übernahme. Barclays hatte im Herbst die US-Teile der zusammengebrochenen Investmentbank deutlich unter Wert erworben. Auch der Start ins neue Jahr sei für die Investmentbank-Sparte Barclays Capital gut verlaufen, erklärte das Geldhaus. Barclays hat bisher anders als heimische Konkurrenten wie die Royal Bank of Scotland keine Staatshilfe in Anspruch genommen. Das Institut sammelte aber zur Stärkung der Kapitaldecke Milliarden bei Investoren aus Katar, Abu Dhabi, Singapur, China und Japan ein. Als einzige Investmentbank weltweit ist bisher nur die Deutsche Bank ohne Kapitalerhöhung durch die Finanzkrise gekommen. (Reuters/APA)

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