Harter Kampf gegen Pleite

9. Februar 2009, 17:49
97 Postings

Insbesondere die geplanten Gehaltskürzungen bei der angeschlagenen österreichischen Airline sind umstritten. Die Belegschaft fordert einen höheren Beitrag des Managements

Wien - Die AUA-Führung muss noch viel Überzeugungsarbeit leisten, will sie die Belegschaft für einen freiwilligen Gehaltsverzicht gewinnen. Die Betriebsräte machen sich nun ihrerseits für stärkere Einschnitte beim Salär der Manager stark. Der Vorstand verzichtet - rückwirkend per 1. Februar - für ein Jahr auf vorerst ein Zehntel seiner Gagen. Die Belegschaftsvertreter wollen freilich, dass die Chefs ein Viertel weniger verdienen.
Erfolgsprämien bei der schwer defizitären Airline sorgten zuletzt für Aufruhr, sind nun zumindest bis zur Lufthansa-Übergabe ausgesetzt, wie die AUA bestätigte. Variable Bestandteile, die mit einem Unternehmenserfolg verbunden gewesen wären, gebe es angesichts der wirtschaftlichen Entwicklung ohnedies nicht, heißt es aus der AUA.

Manager-Prämien

Dass Manager-Prämien dennoch ein Thema sein sollen, empört Arbeitnehmervertreter, die zudem auch die Zahl von Bereichsleitern im Konzern kritisch hinterfragen. Auch bei anderen Vergütungen (etwa Aufsichtsratsvergütungen) wollen kritische Arbeitnehmervertreter angesetzt wissen.
Befristete Bezügekürzungen hat es bei der AUA immer wieder gegeben: Nach dem "9/11" -Krisenjahr 2001 etwa hatte die Fluggesellschaft neben einem massiven Personalabbau bereits einmal einen Gehaltsverzicht im Gesamtkonzern über acht Prozent für ein Jahr praktiziert. Der Vorstand hatte zum Beispiel auch 2004 ein Jahr lang auf zehn Prozent des Grundgehalts verzichtet.

Aufsichtsrat und Gespräche

Die Sparpläne waren am Montag Thema sozialpartnerschaftlicher Gespräche sowie des AUA-Aufsichtsrats, der zu Redaktionsschluss noch im Gange war. Wie berichtet will der Vorstand heuer 225 Mio. Euro und bis 2012 weitere 200 Mio. Euro einsparen. Beobachter glauben, dass die Sparmaßnahmen letztlich aber weit drastischer ausfallen müssen und auch ein größerer Personalabbau unvermeidlich sein wird, um das Ruder noch herumzureißen.

Sorge für staatliche Töpfe

AUA-Aufsichtsratspräsident Peter Michaelis hatte Mitte voriger Woche die Rute ins Fenster gestellt: Greife das Sparpaket, stehe die AUA nicht vor der Pleite. Eine Insolvenz der AUA mit ihren derzeit 8000 Beschäftigten auf jeden Fall verhindern wollen die Gläubigerbanken. Zudem bereite die Schieflage der Airline auch staatlichen Töpfe (wie dem Insolvenzfonds) Sorgen, die wohl überbelastet wären.
Vom aktuellen Sparpaket hängt auch ab, ob die AUA mit einem im Dezember gewährten Notkredit über 200 Mio. Euro auskommt. Hätte es Ende Dezember nicht eine erste Tranche von 67 Mio. Euro gegeben, wäre die Liquidität schon einmal bedrohlich knapp gewesen. Ein Polster ist auch für anstehende Schuldentilgungen in den nächsten Wochen nötig. (red, APA, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 10.2.2009)

 

Share if you care.