Von der Fabrik auf den Friedhof

8. Februar 2009, 19:16
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Die Geschäfte der "Boneyards", der Friedhöfe für Flugzeuge im Westen der USA, laufen während der aktuellen Krise der Luftfahrt blendend

Phoenix - Die Flugzeugfriedhöfe in den USA sind ein Barometer, wie es um die Luftfahrt bestellt ist. Sind sie voll, geht es der Branche schlecht. Derzeit sind sie ziemlich voll. 2008 wurden insgesamt 1175 neue Flugzeuge ausgeliefert, 301 ausgemustert und mehr als doppelt so viele, nämlich 630, mangels Bedarfs geparkt. "Wir gehen davon aus, dass über zehn Prozent der gesamten Verkehrsflugzeuge weltweit abgestellt sind. Wie viele davon wieder in Betrieb genommen werden, ist nicht abschätzbar", sagte ein Sprecher des Weltluftfahrtverbandes IATA.

Mehr als 2000 Flugzeuge, vor allem älterer Bauart, sind seit Jahren eingemottet, insgesamt sollen laut IATA 3137 Verkehrsflugzeuge arbeitslos sein. Und ihre Zahl steigt weiter. Trotz Überkapazitäten stehen auch 2009 rund 1000 neue Verkehrsflugzeuge zur Auslieferung an.

Nachfrage beinahe bei Null

Wohin also mit modernem, flugfähigen Fluggerät, das zu schade für den Schneidbrenner ist und das aber dennoch niemand braucht? Versuche, die Flugzeuge zu verkaufen oder zu vermieten, sind schwierig. Die Nachfrage ist beinahe auf null abgesunken. Daher werden günstige Abstellplätze für ganze Flotten gesucht. Aber es ist nicht so einfach, Flugzeuge über einen längeren Zeitraum zu parken. In feuchtem Klima droht dem Hightech-Gerät Schaden durch Kondenswasser. Daher bringen manche Airlines ihre Jets auf riesige Zwischenlager nach Südkalifornien oder Arizona.

Die "Boneyards", die Flugzeugfriedhöfe im Westen der USA, machen derzeit gute Geschäfte . Im trockenen und warmen Arizona können Flugzeuge, fachgerecht eingemottet ohne Gefahr von Korrosion und Rost lange stehen. Für ein Flugzeug mittlerer Größe, wie einen Airbus A320, kann das ab einer geplanten Standzeit von einem Dreivierteljahr sinnvoll sein. Die Kosten für ein Jahr betragen für ein Mittelstreckenflugzeug etwa 50.000 Dollar (38.000 Euro), laufende Wartung inklusive.

Zerlegung auf Wunsch

Auch Sonderwünsche werden erfüllt: allmorgendlich die Türen zur Durchlüftung öffnen oder "Umparkieren", um die Achslager der Fahrwerke zu bewegen. Fenster und Triebwerke der Jets werden abgedeckt, damit sich keine Vögel einnisten und um das Getriebe vor Wüstensand zu schützen. Ab und zu werden alte Jets auch wieder zu neuem Leben erweckt oder auf Wunsch der Airlines zerlegt und die brauchbaren Teile verkauft.

Am Interstate Highway 10, 100 Kilometer südlich von Phoenix, Arizona, tauchen die Flügel an Flügel im Evergreen Air Center abgestellten Jets wie eine Fata Morgana auf. Jumbos von United Airlines, Northwest Airlines und modernstes Gerät der jüngsten Opfer der Luftfahrtkrise wie der Airlines Jetsgo oder MAXjet, schmachten einer ungewissen Zukunft entgegen.

Rund 350 Maschinen finden auf dem Areal Platz. Bald werden wegen der Krise auch fabrikneue Jets landen, die ihren offiziellen Überführungsflug vom Herstellerwerk direkt in die Wüste absolvieren. (Kurt Hofmann, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9.2.2009)

  • Im trockenen Klima Arizonas warten alte, aber funktionsfähige Flugzeuge
auf bessere Zeiten. Bald könnten sie wegen weiterer Überkapazitäten
Gesellschaft von nagelneuem Fluggerät bekommen.
    foto: standard/hofmann

    Im trockenen Klima Arizonas warten alte, aber funktionsfähige Flugzeuge auf bessere Zeiten. Bald könnten sie wegen weiterer Überkapazitäten Gesellschaft von nagelneuem Fluggerät bekommen.

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