Fragwürdiger Oscar

8. Februar 2009, 19:00
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Stronach: Besitzer des Jahres im US-Pferderennsport

Miami/Wien - Die Eclipse Awards, benannt nach einem famosen englischen Ross des 18. Jahrhunderts, sind quasi die Oscars des US-Pferderennsports. Vergeben werden sie für Leistungen im vergangenen Jahr. Zum besten Pferd 2008 wurde der vierjährige Hengst Curlin, Sieger im Dubai World Cup und im Jockey Club Gold Cup, gewählt. Frank Stronach, dem 76-jährigen Austro-Kanadier, wurden bei der Verleihungszeremonie in Miami, Florida, gleich zwei Trophäen zugesprochen, die den am Rennsport beteiligten Menschen gewidmet sind. Jene für den Züchter des Jahres - von Stronach gezüchtete Pferde gewannen 603 Rennen und 19,2 Millionen Dollar - und jene für den Besitzer des Jahres.

Den Züchter-Pokal hat er nun schon in sechsfacher Ausfertigung, für den Besitzer Stronach war es der vierte Award. Allerdings war der Applaus diesmal nicht einhellig. Denn Stronach gewann die Besitzer-Trophäe nur ganz knapp mit 47 zu 46 Stimmen gegen den Stall IEAH, eine Gruppe von Besitzern um Michael Iavarone.

Sie hatten im Vorjahr gleich mehrere Spitzenpferde auf den Bahnen, darunter den besten Dreijährigen, den Kentucky-Derby-Sieger Big Brown, sowie den besten Sprinter, Benny the Bull. Beide Pferde erhielten Eclipse Awards, während Stronachs riesiger Stall mit rund 150 Rennern leer ausging. Verständlich also, dass Iavarone und seine Freunde enttäuscht waren, als die Trophäe an Stronach ging. Der war selbst gar nicht in Miami anwesend, hatte wohl nicht mit dem Sieg gerechnet.

In zwei der drei Wählergruppen, im Wesentlichen also bei den mit dem US-Rennsport beschäftigten Experten, war auch die IEAH mehr oder weniger klar voran. Nur in der Gruppe der Funktionäre der National Thoroughbred Race Association gab es ein überwältigendes Votum für Stronach. Ein Schelm, wer daran denkt, dass zehn der US-Rennbahnen zu Stronachs Holding MEC gehören.

Die ist weiter in finanziellen Troubles. Und Iavarone meinte scherzhaft, er verlange eine "Untersuchung durch die Rennleitung". Die New York Post titelte entsprechend: "Give it back, Frank!" (Nikolaus Dolenz, DER STANDARD Printausgabe 09.02.2009)

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