"Wir alle haben die Warnsignale übersehen"

8. Februar 2009, 18:55
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    foto: apa/jäger

    UniCredit-Chef Alessandro Profumo sieht strengere Kreditprüfungen und Skepsis bezüglich komplexer Bankprodukte als Reaktion auf die Finanzkrise.

UniCredit-Chef Profumo befürwortet im STANDARD-Interview eine strengere Regulierung der Finanzmärkte

Nachgefragt hat Thesy Kness-Bastaroli.

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STANDARD: Der Philosoph Aristoteles sagte bereits, dass Finanzmärkte crashanfälliger als Realmärkte sind. War die Dominanz der Finanz- über die Realmärkte die Ursache der aktuellen Krise?

Profumo: Die Expansion des Finanzsektors war von einem breiten Konsens nicht nur in Bankkreisen, sondern auch in Wissenschaft, Politik und bei Aufsichtsbehörden gestützt. Die Überzeugung war, dass eine Vertiefung und Weiterentwicklung des Finanzsektors das Wachstum steigern und den Wohlstand fördern könne. Einige Punkte sprechen immer noch für diese Sicht. Aber wir müssen diese Vision grundlegend überdenken.

STANDARD: War die Krise aus Sicht eines Bankers voraussehbar?

Profumo: Rückblickend gab es sicher Warnsignale, die wir alle übersehen haben. Dazu zählt besonders der Anstieg der Verschuldung in manchen Segmenten. Beispiel dafür waren Immobiliendarlehen für private Haushalte in Ländern, wo die Vergabestandards auf ein nicht mehr vertretbares Niveau gesunken waren. Auch die globalen Ungleichgewichte von Finanz- und Handelsströmen hätten zu denken geben müssen: Etwa der übertrieben hohe Konsum in den USA und die hohen Ersparnisse in Asien. Das Wachstum basierte auf einer paradoxen Entwicklung: Ärmere Regionen finanzieren den Konsum der reichsten Länder.

STANDARD: Was hätte man tun müssen oder können, um die Krise zu vermeiden?

Profumo: Wir hätten bereits früher erkennen müssen, dass das System den Boden für künftige Probleme präpariert. Allerdings dominierte die Ansicht, dass Finanzinnovationen wie jene zur Risikomodellierung und Risikosteuerung genügend ausgereift waren. Der Instabilitätsfaktor wurde unterschätzt. Mit stärkerem Vertrauen auf die eigene Urteilskraft wären Systemschwächen leichter zu erkennen gewesen. Ein Indiz dafür ist, dass Banken in unterschiedlicher Intensität von der Krise betroffen sind. Ich glaube, dass es allen Beteiligten - Bankern, Aufsehern und Politikern - nicht gelungen ist, rechtzeitig konkrete Antworten zu finden.

STANDARD: Der neue US-Präsident Obama will die Märkte stärker regulieren. Ist das ein taugliches Mittel?

Profumo: Oberste Priorität haben Maßnahmen, die einen starken Rückgang des Konsums und somit einen Einbruch der Konjunktur verhindern. Zweites muss das Vertrauen in das Finanzsystem wiederhergestellt werden. Dies wird zweifellos eine intensivere Aufsicht der Marktteilnehmer erfordern. Wichtig erscheint mir, dass der Finanzsektor an der Entwicklung neuer Rahmenbedingungen mitwirkt. Die Herausforderung ist, die Rolle des Finanzsektors als Motor des wirtschaftlichen Fortschritts zu erhalten und gleichzeitig die Ursachen für die aktuellen Turbulenzen einzudämmen. Mit Barack Obama haben die USA die Chance, früher unwidersprochene Ansichten hinter sich zu lassen. Europa muss die Diskussion über die Grenzen von Einzelstaaten hinausführen. Wünschenswert wäre, dass eine vertiefte EU aus der Krise geht, die mit den USA die führende Rolle in der Welt spielt.

STANDARD: Die neoliberale Vorstellung, dass der Markt alles regelt, ist überholt. Was ist Ihr Gegenrezept zum Neoliberalismus?

Profumo: Ich habe nie an eine vollständige Selbstregulierung des Marktes geglaubt. Daher unterstütze ich Bemühungen um eine strengere und wirksamere Regulierung. Gleichzeitig kann ein Markt sich nicht allein auf Regeln stützen. Schließlich zeigt sich gerade in der Krise, dass zum Funktionieren eines Marktes - wie bei allen Beziehungen zwischen Menschen - auch eigenes Urteilsvermögen und persönliche Integrität, gegenseitiges Vertrauen und Streben nach Nachhaltigkeit erforderlich sind. Wir stehen vor einer Renaissance der Werte.

STANDARD: Was halten sie von den Staatsbeteiligungen an Banken?

Profumo: Die staatlichen Eingriffe waren nötig, um Zusammenbrüche von Banken und damit systemische Risiken zu vermeiden. Staatliche Kapitalbeteiligungen sollten nur als Übergangslösung mit möglichst geringer Einflussnahme gedacht und gestaltet sein. Über das Ziel der Herstellung gleicher Wettbewerbsbedingungen herrscht im Wesentlichen Einigkeit. Klar ist in diesem Szenario aber, dass Eingriffe des Staates lang anhaltende Konsequenzen haben können. Investoren und Aufsichtsbehörden werden wahrscheinlich noch für einige Zeit komplex strukturierte Produkte mit Skepsis betrachten. Einer noch gründlicheren Prüfung der Kreditqualität kommt auch große Bedeutung zu.

STANDARD: Wann kommt Europa aus dem Dilemma wieder heraus?

Profumo: Die gesetzten Maßnahmen gehen in die richtige Richtung. Sollten sie sich, wie ich glaube und hoffe, als wirksam erweisen, könnte das Ende der akuten Phase der Krise bereits in Sicht sein. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9.2.2009)

Zur Person

Ein Jahrzehnt lang war der heute 51-jährige UniCredit-Bankchef Alessandro Profumo ein Star der europäischen Bankenszene. Als der gebürtige Genuese mit 39 Jahren zum CEO der damals eher schwerfälligen UniCredit ernannt wurde, war er der jüngste italienische Bankchef. Er erkannte als erster italienischer Banker das Potenzial in Osteuropa - der Grund, weshalb UniCredit HVB und Bank Austria erwarb. Diese Politik wird ihm nun vorgeworfen, da der Aktienkurs verfallen ist. Außerdem hat sich Profumo geweigert, bei der Alitalia-Sanierung mitzumachen, was ihm Wirtschaftsminister Giulio Tremonti übel nimmt. (tkb)

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Monytaurus
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unisono: Geld stinkt immer noch nicht

Interessant, die Geldheinis werden nicht müde ihr dummdreistes Versagen, so lange vor sich herzubeten, bis sie sich in den unbedarften Volksköpfen, als die einzige u große Wahrheit, eingenistet hat. In Deutschland haben sie MIT STUMPF UND STIEL kommunale Wohnhausanlagen an Geldlos-Heuschrecken verscherbelt. Zuerst gab es die Feedback-Milliönchen, derzeit ist großes Heulen angesagt. Die Geschichte war von vornherein auf Lug u Betrug angelegt. Wenn die Banker heute um Hilfe plärren, gehört ihnen samt u sonders eins über den ahnugslosen Moneten-Scheitel gezogen. Von vielen privaten Häuslebauern wurden die Kredite an Spitzbuben weiterverschachert, die neuen Schuldner hat man dann sittenwidrig ausgesaugt. Wo waren unsere "PoliOchsen" da?

Campaign-Manager
00
13.2.2009, 10:25

übersehen? Dafür gibts gleich noch einen Bonusnachschlag.

pannonimus
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der war wohl mit jörgl in der night-bude vodka saufen.

locken
00
Und diese Manager sollen uns jetzt aus der Kriese führen ,es ist zum lachen !!

Hans Soanders1
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Übersehen ist unwahrscheinlich...

...ignoriert ist wohl viel richtiger.

elmar korinek
01
Personelle Konsequenzen??

Silberner Handshake?

luis trew
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Umdenken

Eine wirklich positive Änderung des Finanzsystems kann es nur geben, wenn die alten Köpfe, die das Desaster verursacht, ignoriert, nicht erkannt haben, durch neue Manager ersetzt werden.

bukkake
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durch einen x-beliebigen ersetzt werden

reicht völlig! sogar wenn er was sieht, kann er´s hinterher immer noch übersehen haben! das kriegt ja jetzt wohl echt jeder depp auf die reihe.

alles
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durch neue Manager ersetzt werden.

Damit die neuen Manger wieder die gleichen Fehler machen und neu auf unsere Kosten lernen müssen.

pannonimus
10
alle nicht

bedenken SIE gute manager sind teuer, siehe ÖTSCH_HUBER_ELSNER und erst die BERATER.

Mostbluzer
00
nicht übersehen, hämisch lachend ignoriert.

ganz einfach. mahner gab es genug, top seriöse, von der BIZ über anerkannte Fachleute und erfolgreiche Investoren. Ihr habt einfach das grosse Rad gedreht, top verdient noch weitere 2 jahre, ....

Dr. Seltsam
 
00

Wenn er wirklich gelgaubt hat, dass ein aufgeblähter Finanzsektor Wohlstand schaffen kann, dann ist das eine Pleiteerklärung und man sollte ihn sofort von der Leitung von Unicredit abziehen.

Dilbert
01

Für manche wurde Wohlstand geschaffen.

flo schn
00
für manche wenige

um zu konkretisieren.

ElBongx
05
Warnsignale übersehen

a.) Ihr wolltet die Warnsignale nicht sehen weil sie euch bei der persönlichen Bereicherung und der Bereicherung eurer Netzwerke gestört hätten
b.) Experten die vor einem Crash gewarnt haben wurden systematisch ins Sozialisten/Kommunisten-Eck gedrängt
c.) Selbst Krugman, Stiglitz und Co wurden nicht ernst genommen
d.) Eh wurscht- es werden die entlassenen Mitarbeiter gerne für Euch Superchecker büßen.

kufd
00

c.) Die Jobs der Mitarbeiter die jetzt entlassen werden müssen wurde durch die Blase erst geschaffen

Gschisti Gschasti
00
Rückblickend gab es sicher Warnsignale, die wir alle übersehen haben?


oder nicht sehen wollten....


rudi rednose
00
"Warnisgnale, die wir übersehen haben" bedeutet

... wir waren und sicher, unsere Institute dauerhaft an die Wand zu fahren, nicht ohne uns im vorhinein persönlich mit ausreichend Schmerzensgeld versorgt zu haben...

José Atento
11
<Aber wir müssen diese Vision grundlegend überdenken. >


Weniger Keynes und etwas mehr Hayek würde uns gut tun...

Rote Socke
 
13
Weder ein Keynes noch ein Hayek

oder besser deren Ideologien werden uns retten. Geld muss auf das reduziert werden was es ist, ein Tauschmittel. Im Vergleich zu dem was uns meiner Meinung nach bevorsteht wird man sich wünschen in einem System wie dem der ehem. DDR zu leben.

Wir sind uns glaub ich einig, dass sich sowohl Arbeit (Leistung), Können und nachhaltiges Wirtschaften lohnen soll. Auch Risiko und Konsumverzicht, z.B durch Beteiligung an einer Firma (Aktien) gehören dazu.
Zusätzlich kann und muss sich eine hochentwickelte Gesellschaft derer annehmen die diesen Beitrag aus welchen Gründen auch immer nicht leisten können.

Nicht lohnen darf sich aber Einkommen ohne Gegenleistung im großen Umfang (Zins, Erbe) sonst krachts.

Also Gsell und Marx!

Mfg RS

Zarathustra
00

Ebenso wie Kapitalisten diese staatlich verschuldete Krise vorausgesehen haben, haben sie auch prognostiziert, dass man diese Krise dem Kapitalismus anlasten wird. Wie sinnlos Aufklärung ist, hab ich erst vor wenigen Tagen im Bekanntenkreis erfahren. Sie können noch soviel vom Kreditgeldsystem schwadronieren..dass es zur exponentiellen Verschuldung verdammt ist, dass die einzige Aufgabe der Notenbank ist, den unausweichlichen Crash so weit wie möglich hinauszuzögern und zu einer epischen Katastrophe heranzuzüchten, dass Staatsverschuldung das Spiel den letzten exzessiven Rest gibt usw. Am Ende kommt dann "aber es waren doch die bösen Manager, gierigen Banker und die Spekulanten". Das Volk will es nicht anders. Also auf in den Sozialismus.

flo schn
00
auf die frage

wie kann ein system, welches ewiges wachstum verlangt, auf dauer überleben, wenn erde und damit ressourcen nicht mehr wird, antwortete ein namhafter ehemaliger deutscher wirtschaftspolitiker bei einem vortrag in innsbruck: wir wissen aber wir können nichts machen.

haben das biologen und ärzte über den "grippe"virus auch behauptet. ich könnte mich jetzt dagegen impfen.
gegen marode wirschaftssysteme und deren vordenker leider nicht.

wenn wir wollten gäbe es einen alternative

José Atento
01
JA,

der Sozialismus in seiner unangenehmen Form wird wiederkehren. Ich hoffe das National kommt nicht wieder.

José Atento
00

Die Menschen bekommen IMMER das was sie verdienen und fast niemals das was sie sich erwarten. Das ist die göttliche Vorhersehung.

Wenn die Gesellschaft versagt hat, dann müssen Schuldige her - denn selbst war man bekanntlich niemals daran beteiligt.

Aber natürlich sind die Mächtigen in einer höheren Verantwortung, wie die kleinen Leute. Da hat die Volksseele schon recht. Trotzdem sind die später Gehängten meist nur Symbole der Rache. Die wahren Zusammenhänge werden niemals erkannt. Siehe Hexenverbrennung im Mittelalter.

flo schn
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ich war sicher nicht beteiligt

ich hab dem versicherungsvertreter schon 2002 die tür gewiesen als er mir eine zusatzpension andrehen wollte. ich hab noch nie an dieses system geglaubt.

an investitonen schon aber nicht an das roulettspiel names börse.

der kapitalismus ist schwer getroffen, jetzt drückt ihm jeder eyperte ein plflasterl drauf und behauptet, das geht scho.

wird es aber nicht wenn man logisch denken kann, ausgenommen jene die mir eine nahrungsmittel und sauerstoffproduktion am mond versprechen können.

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