Ferngesteuert

8. Februar 2009, 18:43
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Die Kinder, der Weltmeister und der Suchende

"Jean-Baptiste, Jean-Baptiste!", schreien die Kinder in heller Aufregung, und flehentlich bittend halten sie ihm Griffel und Papier oder Helm hin. Jean-Baptiste Grange, Frankreichs Kombi- und Slalom-Hoffnung, stapft wie ferngesteuert und also ungerührt weiter. Er ist runtergekommen vom Berg und will wieder rauf, er trägt die volle Montur und die Skier.

Die Kinder schauen traurig, das steckt an. Ein Mädchen, vielleicht sieben oder acht, gibt nicht auf, rennt ihm nach bis zum Lift, wo Monsieur Grange die Skier in den Schnee legt, einsteigen will, das atemlose Mädchen sieht, den Griffel nimmt, "Jean-Baptiste Grange" auf den Zettel schreibt. Dem Mädchen schaut das Glück aus dem Gesicht, das steckt an. "Jetzt weiß ich, wofür ich so lange gekämpft habe", pflegen Sieger zu sagen, und im Schnee gibt's eben pro Rennen nur einen Sieger, es sei denn, zwei oder mehrere sind gleich schnell.

Wie ferngesteuert stapft John Kucera durch die Gatter im Zielstadion, der Sieg ist bald zwei Stunden alt. Alle paar Meter steht ein Kamerateam, alle paar Meter ein Mikrofon. Wieder und wieder erzählt Kucera, wie er es angelegt hat, sagt "A dream comes true" oder gibt zu Protokoll, dass es noch dauern werde, bis er das Ganze realisiert habe. Man weiß schon, dass seine Freundin eine Country-Sängerin ist, nicht so bekannt wie Jessi Colter, also bittet man ihn um ihren Namen und erhält ihn. Mündlich. Wie man das schreibt, frägt man sich, als Kucera von der Fernsteuerung schon weitergeschickt ist. Die muss es sein, so hat es geklungen, denkt man sich, als man Lauren Mayell in den Tiefen des Netzes findet. Natürlich im Standard - auch wenn der in Ontario daheim ist. (bez, DER STANDARD Printausgabe 09.02.2009)

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