
Abt Gregor Henckel-Donnersmarck hat Mitleid mit dem neuen Linzer Weihbischof, selbst sei er "zu schlau", um sich ein Bischofsamt zu wünschen. Eine Austrittswelle befürchtet der 66-Jährige nicht.
Standard: Der neue Linzer Weihbischof Gerhard Maria Wagner sieht in Naturkatastrophen wie der Zerstörung von New Orleans ein Gottesurteil für "geistige Umweltverschmutzung". Gibt es den "lieben Gott" also gar nicht?
Henckel-Donnersmarck: Doch, den gibt es. Gott ist gerecht, aber noch mehr die Barmherzigkeit und die Liebe. Aber wir wissen, dass in der Gerechtigkeit Gottes auch enthalten ist, dass Menschen, die sich versündigt haben, eine Strafe zu erwarten haben.
Standard: Für Wagner ist Homosexualität eine Krankheit und somit heilbar. Ist das katholische Lehrmeinung?
Henckel-Donnersmarck: Die katholische Kirche hat keine Lehrmeinungen zu medizinischen Problemen. Der Katechismus der katholischen Kirche sagt, dass Menschen, die sich als homosexuell erleben, zur Keuschheit verpflichtet sind. Sie müssen sich in der Frage ihrer eigenen Sexualität ganz bewusst zurückhalten, und wenn ihnen das gelingt, dann sind sie auch moralisch gerechtfertigt.
Standard: Es werden jetzt auch immer mehr Rufe nach einer Absage der Bischofsweihe von Gerhard Maria Wagner laut. Sollte man diesen Schritt setzen?
Henckel-Donnersmarck: Solch eine Entscheidung kann allein der Heilige Vater erwägen. Und die Menschen, die den neuen Weihbischof gut kennen, etwa die Windischgarstner, sind zufrieden. Außerdem hat der Linzer Diözesanbischof Ludwig Schwarz, soweit ich weiß, Wagner ganz bewusst in Rom vorgeschlagen - wenn auch nicht in der ersten Phase. Überhaupt ist es überflüssig, dass sich jetzt alle Welt ereifert, was der neue Weihbischof von Linz macht.
Standard: Die Pius-Bruderschaft macht Papst Benedikt XVI. das Leben schwer. Verstehen Sie die umstrittene Aufhebung der Exkommunikation der vier Lefebvre-Bischöfe?
Henckel-Donnersmarck: Ich bin ein erklärter Gegner der Pius-Bruderschaft. Aber in der aktuellen Diskussion braucht es klare Unterscheidungen. Man kann ja auch nicht über Fußball reden und nicht wissen, was Penalty und Corner sind. Die Aufhebung der Exkommunikation und die aufrechte Suspendierung ist das eine, die Nichtanerkennung der Pius-Bruderschaft nach kanonischem Recht das andere. Aber es ist die Bemühung des Papstes, die Einheit der Kirche herzustellen. Vonseiten der Pius-Bruderschaft wurde gesagt, man wäre zu Gesprächen sehr viel leichter imstande, wenn die Benützung des alten Mess-Ritus wieder eingeführt werde und die Exkommunikation dieser vier Bischöfe passieren würde. Jetzt liegt es an den Bischöfen, über die von Benedikt XVI. geöffnete Pforte hereinzukommen.
Standard: Auch der Holocaust-Leugner Bischof Richard Williamson?
Henckel-Donnersmarck: Das halte ich für ausgeschlossen. Williamson ist ein Terrorist, der eine Bombe gelegt hat. Die Aussagen dieses Idioten sind ein Zeichen extremer Dummheit. Aber all die, die jetzt den Papst kritisieren, sind in seine Falle gegangen und tun genau das, was Williamson beabsichtigt hat. Er ist ein Zündler und will, dass es brennt. Ob er es bewusst gemacht hat, ist fraglich. Er scheint so dumm zu sein, dass man ihm über die Konsequenz seines Handelns nicht alle Übersicht zusprechen kann.
Standard: Also Williamson wieder exkommunizieren, oder?
Henckel-Donnersmarck: Ich warne vor einer politischen Exkommunikation. Die Aussagen von Williamson sind politisch - obszön und niederträchtig. Aber die Frage der Exkommunikation war bezogen auf die unerlaubte Weihe. Außerdem hat der Papst klare Worte gefunden und ihn zur Rücknahme dieser Aussagen aufgefordert.
Standard: Befürchten Sie eine Austrittswelle nach den jüngsten Papst-Entscheidungen?
Henckel-Donnersmarck: Wir haben in Österreich einen Sockel von 40.000 Austritten im Jahr. Da ändert sich nicht viel. Manchmal gibt es vielleicht kleine Schwankungen, die nur wenig mit medialen Sensationen zusammenhängen.
Standard: Interessant ist, dass, sobald hohe Bestellungen in der österreichischen Kirche anstehen, sehr rasch Ihr Name genannt wird. Zum Zug kommen Sie aber letztlich dann nie. Warum?
Henckel-Donnersmarck: Ins Spiel bringen meinen Namen nur die Journalisten. Außerdem bin ich glücklich, dass ich nicht habe Bischof werden müssen, und ich bin zuversichtlich, es auch weiterhin nicht werden zu müssen. Ich bin nämlich zu schlau, mir zu wünschen, Bischof zu werden, denn das ist doch eine ganz schwierige Position. Schauen Sie sich doch den armen Weihbischof Wagner an. Das ist doch entwürdigend: einen Mann, der noch nicht einmal geweiht ist, derartig fertigzumachen. Das möchte ich mir ersparen.
Standard: Haben Sie jemals ein Harry-Potter-Buch gelesen?
Henckel-Donnersmarck: Nein. Und ich habe es in absehbarer Zeit auch nicht vor. Da gibt es für mich auf jeden Fall Wichtigeres zu lesen. (Markus Rohrhofer/DER STANDARD Printausgabe, 9. Februar 2009)
Zur Person:
Gregor Ulrich Henckel-Donnersmarck, 1943 in Breslau geboren, studierte in Wien Welthandel. 1977 beendet er eine Geschäftsführer- Tätigkeit in Spanien und tritt in das Zisterzienserstift Heiligenkreuz ein. Seit 1999 ist der studierte Theologe der 67. Abt des Stiftes.
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ist sicher für manche Menschen die richtige Entscheidung- richtig im Sinne von "ihrem spirituellen Weg entsprechend".
Aber warum dünken genau solche Menschen sich als Experten im Bereich von Sexualität und Liebesbeziehungen und schreiben anderen vor, wie sie dieselbigen zu leben haben?
Wenn ich eine Reise in den tropischen Regenwald plane, werde ich nicht ausgerechnet zu einem Inuit gehen, um mir diesbezügliche Ratschläge zu holen, wenn ich etwas über Wein erfahren will, gehe ich nicht zum Präsidenten des Abstinenzler- Bundes, und wenn ich wissen will, wie man einen spannenden Roman schreibt, gehe ich nicht zu jemandem, der noch nie ein Buch aufgeschlagen hat.
Auch nicht schlecht... LOL
"Kreuzschändung schlimmer als Terror"
http://www.stern.de/panorama/... 54227.html
decken sich eigentlich weitgehend mit denen fundamentalistischer Moslems. Die führen keinen "Kulturkampf" gegeneinander, sondern miteinander gegen den zivilisatorischen Fortschritt. Deshalb ist Verwunderung über katholische Taliban völlig unangebracht. Vielmehr muß ihr Versuch, in zivilisierten Ländern (wieder) politisch Einfluß zu gewinnen nachdrücklichst abgewehrt werden. Desgleichen ist die SPÖ sehr schlecht beraten, Exponenten der weltanschaulich den fundamentalistischen Christen sehr nahen "Islamischen Glaubensgemeinschaft" politische Einflußmöglichkeiten zu verschaffen. Das ist gefährlich kurzsichtige Taktiererei. Klare Trennung, nicht Anbiederung ist notwendig.
Üblicherweise steckt hinter allen Aktionen bzw Aussagen von allen politiche Gruppierungen eine Strategie, die zum Erreichen eines Ziels dient.
Im Falle der katholischen Kirche ist die einzig erkennbare Strategie öffentlich zur Schau getragener Schwachsinn. Oder sollte die Strategie gar darin bestehen, das Ziel zu erreichen, daß alle nicht pathologischen Fälle austreten, sodaß sich ein kleiner elitärer und reaktionärer Zirkel (der erkannt hat, daß die Amtskirche ohnehin nicht mehr zu retten ist) die Reichtümer aufteilen kann, die die Kirche in den letzten zwei Jahrtausenden zusammen gestohlen hat.
Oder sind die wirklich alle nur verkalkt und pathologisch dämlich?
je öfters die herren gelegenheit finden ihre meinungen in den medien darzulegen, desto tiefer steigen sie in die kacke. der verweis auf mdizinisches problem is ja auch schon wieder ein knüller...
mir scheint, die diversen ausleger des katholischen dogmas tun sich schwer die heutige welt irgendwie noch zu verstehen. ich hatte kürzlich die gelegenheit einem pfarrer zuzuhören. welch wirres zeug das zu vernehmen war - ich konnte kaum meinen ohren trauen.
erstens - es beschreibt deutlich wer der eigentliche zündler in Ö war - bischof schwarz, ein erzreaktionärer phantast, den schönborn gerade noch angebracht hat und wien verschont wurde.
zweitens - die aussage dass homosexualität ein medizinisches problem darstellte und dies mit einer jahrhundertealten vorurteilssammlung zu argumentieren, halte ich für einen skandal, weil ich diese ansicht bereits aufgearbeitet erachtet habe. Warum der "schlaue" donnersmarck solche dinge im interview äußern darf, ohne dass die redakteurin nachfragt, zeigt mir die unbelecktheit der dame, sie sollte sich nicht mehr so schlagfertige personen aussuchen, sondern vielleicht die frau bock portraitieren.
Sich mit den Austrittswellen abzufinden, halte ich nicht für sehr klug. Stattdessen sollte H-D viel mehr auf Helmut Schüller hören. In der gestrigen ORF-Diskussion war es am Schluß aber umgekehrt, H-D disziplinierte die anwesenden Geistlichen mit der Aufforderung gemeinsam zu beten - das hat er auch vor der Diskussion getan, in einer Kapelle - anstatt sich über Wagner in Linz zu informieren. Schüller ist nicht zu beneiden, dass er sich mit diesen Erzkonservativen abbalgen muss.
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