Machtloser Müllermeister mag nicht mehr

8. Februar 2009, 18:26
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Michael Glos hat genug vom deutschen Wirtschaftsressort

Eigentlich war es ja ein genialer PR-Coup. Seit er im Herbst 2005 das Amt des deutschen Wirtschaftsministers antrat, steht Michael Glos (CSU) wegen mangelnder Initiativen seines Hauses in der Dauerkritik. Jetzt aber redet ganz Deutschland über ihn. Nur leider passt das auch wieder nicht. Denn Glos wird als jener Minister in die Geschichte eingehen, der nicht mehr regieren mag, aber zum Weitermachen gezwungen wird.

Wirtschaftsminister zu sein war ohnehin nie der Traumjob des gelernten Müllermeisters aus dem fränkischen Brünnau. Das Amt bekam er genauso überraschend, wie er es nun aufgeben wollte. Im Herbst 2005, da freute sich Glos auf weitere, nicht allzu aufregende Jahre an der Spitze der CSU-Landesgruppe im Bundestag, der er seit 1993 vorstand. Dieses prestigeträchtige CSU-Amt garantiert bequeme Präsenz in Berlin: Man ist überall dabei, ohne besonders viel Verantwortung zu haben.

Doch dann kniff Edmund Stoiber plötzlich. Er wollte doch lieber bayerischer Ministerpräsident bleiben, als unter Kanzlerin Merkel Wirtschaftsminister in Berlin zu werden. Hurtig musste ein CSU-Mann einspringen - und es traf Glos. Der machte kein Hehl daraus, dass ihm der Karrieresprung nicht gefiel. „Ich wusste nicht einmal, wo das Wirtschaftsministerium überhaupt liegt", feixte er wenige Tage nach Amtsantritt.

Doch das Scherzen verging Glos, der als sachkundiger Ökonom bis dahin wirklich nicht aufgefallen war, bald. Wenn er überhaupt etwas anpackte, dann hagelte es von allen Seiten Kritik. Rasch lief der umtriebige und sachkundige Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) Glos völlig den Rang ab. Als die Finanz- und Wirtschaftskrise Deutschland traf, zog es Glos vor zu schweigen, während Steinbrück und Kanzlerin Angela Merkel nahezu rund um die Uhr arbeiteten.
Aber Glos wurmte es, dass er so auf dem Abstellgleis stand, zumal auch die Solidarität von CSU-Chef Horst Seehofer schmolz wie Schnee in der Frühlingssonne. Mit seiner Flucht nach vorne wollte Glos nicht nur seinem Rauswurf zuvorkommen, sondern auch Seehofer und Merkel düpieren.

So amtsmüde, wie der 64-Jährige tut, ist er nämlich nicht. Für den Bundestag kandidiert er schon. Aber das ist ja auch die wahre Bühne des verbalen Haudraufs, der Ex-Außenminister Joschka Fischer als „Zuhälter" und Ex-Kanzler Gerhard Schröder als „richtige Sau" bezeichnete. Apropos Schröder: Im Gegensatz zu ihm gab Glos unumwunden zu, dass ihm seine Frau früher die Haare färbte. (Birgit Baumann, DER STANDARD Printausgabe, 9.2.2009)

 

 

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