Sarkozys großer Plan

8. Februar 2009, 18:22
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Frankreichs Präsident will sein Land nach 43 Jahren wieder in die Nato führen - Von Markus Bernath

Nicolas Sarkozy, so lehrt mittlerweile die Erfahrung, sollte man besser nicht gleich beim Wort nehmen. Mit der Kombination von markigen Erklärungen und nicht geäußerten Gedanken folgt der französische Präsident dem illustresten seiner Amtsvorgänger - Charles de Gaulle. Der hatte im Juni 1958 unter großem Jubel sein „Je vous ai compris!" auf dem Balkon der französischen Gouverneursregierung in Algier ausgerufen.

Das hieß im Klartext: „Ich habe euch, Franzosen in Algerien, die ihr bei Frankreich bleiben wollt, verstanden und werde das Gegenteil davon tun."

Sarkozy drängt es zurück in die Nato, die de Gaulle 1966 verlassen hatte, und die Frage ist, warum heute für Frankreich falsch sein soll, was Paris 40 Jahre lang als goldrichtig betrachtet hatte. „Die Nato wird die Unabhängigkeit meines Landes stärken", deklamierte der französische Präsident bei der Sicherheitskonferenz in München. Mutmaßlicher Klartext: „Die Nato ist eine ausgezeichnete Plattform, um meinem Land die Führungsrolle in Europa zu sichern."

Weder der deutschen noch der US-amerikanischen Regierung wird das entgangen sein. Dennoch spielen sie Sarkozys Stück mit. Frankreichs Armee dürfte sich mit Zustimmung der USA dieser Tage erstmals zwei bedeutende Posten bei der Nato gesichert haben, was ihre Rückkehr in die militärische Allianz besiegelt. Barack Obama wie Angela Merkel setzen auf eines: dass sie am Ende schlauer sind als Sarkozy und die neue Dynamik für die Nato nützen können. (Markus Bernath, DER STANDARD Printausgabe, 9.2.2009)

 

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