Das Rennen ist eröffnet

8. Februar 2009, 18:11
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Viele Kandidaten aus Osteuropa für die Nachfolge von Generalsekretär Scheffer

München - Der Elan ist weg und mit ihm diese holländische Conférencier-Attitüde, ein bisschen verschmitzt, nicht selten bissig und ironisch, die Jaap de Hoop Scheffer an den Tag legte, um seinen unmöglichen Job auszufüllen: Nato-Generalsekretär sein und zum dauernden Zwist unter den 26 Mitgliedstaaten ein souveränes Gesicht aufsetzen.

Im Juli endet de Hoop Scheffers Amtszeit, bis zum Nato-Gipfel in Straßburg und Kehl in zwei Monaten soll sein Nachfolger feststehen. Bei der Sicherheitskonferenz in München machte der Niederländer keine großen Worte zum nahenden Abschied. Nur an einer Stelle rutschte ihm ein Satz über die „größte Frustration" während seiner Amtszeit heraus - nicht der Krieg der Nato in Afghanistan und seine Extraregelungen waren es, die sich manche Mitgliedstaaten für den militärischen Einsatz ausbedungen hatten, sondern die „surrealen Mauern", die zwischen der EU und der Nato in sicherheitspolitischen Fragen aufgebaut werden, endlose Diskussionen und doppelte Arbeit beim Einsatz im Kosovo oder anderswo nach sich ziehen.

Keine offiziellen Kandidaten

De Hoop Scheffer, ein christdemokratischer Politiker und kurzzeitiger Außenminister seines Landes, übernahm im Jänner 2004 das Amt des Nato-Generalsekretärs, zu einer Zeit also, als die Spannungen innerhalb der Allianz wegen des von den USA betriebenen Irakkriegs besonders stark waren. Kandidaten für seine Nachfolge gibt es mittlerweile viele, nur offiziell erklärt hat sich noch keiner für den höchsten zivilen Posten in der Nato, der traditionellerweise an einen Europäer geht; der Nato-Oberbefehlshaber ist dagegen stets ein US-General, derzeit John Craddock.

Zunächst sah es so aus, dass der nächste Nato-Generalsekretär aus den neuen Mitgliedstaaten in Ost- und Mitteleuropa kommt: Polens Außenminister Radoslaw Sikorski gilt immer noch als der stärkste Kandidat, der frühere polnische Präsident Aleksander Kwasniewski war vor längerem schon genannt worden, verschwand aber wieder in der Versenkung; der ehemalige slowenische Regierungschef Janez Janša gilt als denkbarer Kandidat, der bulgarische Exaußenminister Solomon Passy, ein Wegbereiter des Nato-Beitritts seines Landes, hat sich von seiner Partei zum Anwärter küren lassen, dürfte aber kaum Chancen haben. Sikorskis Ernennung wäre ein politisch starkes Signal an Russland, nur hat der Pole, der Ende des Monats 45 Jahre alt wird, mehrfach erklärt, er wolle nicht ins Hauptquartier nach Brüssel.

Das sagt auch Dänemarks Premierminister Anders Fogh Rasmussen, der zweite wichtige Kandidat. Doch steigt erst einmal der Druck vonseiten der anderen Nato-Länder, werden sich weder Sikorski noch Rasmussen leicht den Bitten entziehen können. Ein dritter Mann nutzt derweil den Umstand, dass die Bühne noch frei ist: Kanadas Verteidigungsminister Peter Gordon MacKay, ein 43-jähriger Tory-Politiker, drängt seit Wochen auf eine Kandidatur als Nato-Generalsekretär und bot sich auch in Gesprächen am Rande der Sicherheitskonferenz in München als interessante Alternative an - keiner der bisher elf Generalsekretäre der Allianz kam aus Kanada. (mab, DER STANDARD Printausgabe, 9.2.2009) )

 

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    Kandidaten für den Nato-Chefposten: Polens Außenminister Radoslaw Sikorski...

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    ... Dänemarks Premier Anders Fogh Rasmussen...

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    ... und Kanadas Verteidigungsminister Peter Gordon McKay.

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