Der Fehler der Unfehlbarkeit

8. Februar 2009, 18:06
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Es sind Fehler im Vatikan passiert - Und genau da beginnt der Leidensweg für den Heiligen Vater - Von Markus Rohrhofer

Ob nun die Entscheidung in der Causa Williamson im päpstlichen Bewusstsein über dessen widerwärtiges Geschichtsbild passiert ist oder des Übels Wurzel in einem Kommunikationsproblem der Kurie liegt, wird die breite Katholikenschar nie erfahren. Eines ist jedoch klar: Es sind Fehler im Vatikan passiert. Und genau da beginnt der Leidensweg für den Heiligen Vater. Unmissverständlich wurde gefordert, Benedikt XVI. möge sich zu den jüngsten Vorgängen klar und deutlich äußern, mögliche Fehler eingestehen. Unmissverständlich zu Wort gemeldet hat sich von vatikanischer Seite aber fast ausschließlich jemand aus der zweiten Reihe - was den Ärger nur größer werden ließ.

Dabei ist die Reaktion doch mehr als verständlich. Zur Erinnerung: Der Mann ist aufgrund des göttlichen Beistandes effektiver Träger der Unfehlbarkeit. Und jetzt soll sich die personifizierte Unmöglichkeit der Kirche, sich in Glaubens- und Sittenfragen zu irren, plötzlich hinstellen und schwerwiegende Fehler eingestehen? Ja, der Einwand, dass streng kirchenrechtlich Entscheidungen nur dann unfehlbar sind, wenn der römische Bischof "ex cathedra" spricht, ist berechtigt. Doch der überwiegende Teil der Katholiken macht keine gesetzlichen Unterscheidungen und sieht die Perfektion in ihrer Gesamtheit. Schwierig wird es dann, wenn dem Unfehlbaren Fehler passieren. Um den Schein zu wahren, müssen diese andere ausbügeln. Oder, wie das Beispiel des Linzer Weihbischofs zeigt: Man klammert sich an die Autorität des Papstes und nimmt Kirchenaustritte bewusst in Kauf. (Markus Rohrhofer/DER STANDARD Printausgabe, 9. Februar 2009)

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