"Wir spielen in der gleichen Liga"

8. Februar 2009, 17:48
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Der Kärntner FP-Spitzenkandidat über seinen Parteiwechsel, wählbare SP-Kandidaten und sein klares Ziel: Die Wiedervereinigung von FPÖ und BZÖ

Der Kärntner FPÖ-Spitzenkandidat Mario Canori will einen Regierungssitz und könnte auch einen SPÖ-Mann zum neuen Kärntner Landeshauptmann wählen, etwa den Wolfsberger Stadtchef Gerhard Seifried, sagte er zu Elisabeth Steiner.

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Standard: Warum haben Sie das BZÖ verlassen und sind zur Strache-FPÖ gewechselt?

Canori: Ich bin ja nur in meine Heimat zurückgekehrt, wo ich 25 Jahre lang unter der Obmannschaft Jörg Haiders war.

Standard: Im BZÖ wirft man Ihnen Verrat vor.

Canori: Mein Abschied aus dem BZÖ geschah aus Verbitterung, wie rasch man sich das Erbe Haiders einverleibt hat. Ich war gerade in Monaco, als Jörg Haider verunglückte. Ich bin sofort losgefahren. Als ich in Klagenfurt ankam, war das Erbe schon aufgeteilt zwischen Gerhard Dörfler, Uwe Scheuch und Harald Dobernig. Heinz-Christian Strache hab ich dann erst im Dezember 2008 kennengelernt.

Standard: Also war es Rache?

Canori: Nein, keinesfalls. Dörfler und Scheuch haben aus der Erbmasse herausgepickt, was ihnen persönlich gut getan hat. Der letzte Tropfen für mich war dann die Teilnahmslosigkeit gegenüber dem SK Austria Kärnten. Das BZÖ ist heute nur mehr eine regionale Wahlbewegung i n Kärnten und hat keine wirkliche Vertretung im Bund mehr. Das ist mit der FPÖ ganz anders.

Standard: Landeshauptmann Dörfler warf Ihnen vor, Sie hätten sich von der FPÖ kaufen lassen.

Canori: Ich hatte nie ein inniges Verhältnis zu ihm. Gerhard Dörfler ist immer nur ein politischer Söldner gewesen.

Standard: Die FPÖ würde Dörfler nicht zum Landeshauptmann wählen?

Canori: Ich würde parteiintern nichts unternehmen, um ein BZÖ-Angebot, das allenfalls Gerhard Dörfler heißt, zu unterstützen.

Standard: Uwe Scheuch könnten Sie sich vorstellen?

Canori: Wir treten an, um in Kärnten einen freiheitlichen Landeshauptmann zu ermöglichen.

Standard: Würde die FPÖ auch den SP-Kandidaten Reinhart Rohr zum Landeshauptmann wählen, wenn die SPÖ Erster wird?

Canori: Es wäre dann an der SPÖ, die Gespräche mit uns zu beginnen. Im Falle einer Einladung durch die SPÖ Kärnten werde ich mich selbstverständlich an den Verhandlungstisch setzen.

Standard: Für Sie wäre also die Wiederkehr eines roten Landeshauptmannes nach 20 Jahren nicht ausgeschlossen?

Canori: Ich hätte bei beiden Genossen, sowohl Gerhard Dörfler als auch Reinhart Rohr, Probleme. Die beiden haben ja eine gewisse brüderliche Ähnlichkeit. Beide sind typische Berufsfunktionäre, die Kärnten als ihr Eigentum betrachten, und beider Horizont reicht nur bis an die Kärntner Grenzen.

Standard: Und ein anderer SP-Kandidat wäre wählbar?

Canori: Warum nicht? Vielleicht gäbe es auch in der Kärntner SPÖ eine Gabi Burgstaller, das wäre doch interessant.

Standard: Könnte das auch eine männliche Variante sein, ein Querverbinder wie etwa der Wolfsberger Bürgermeister Gerhard Seifried, der beste Beziehungen zu Jörg Haider hatte?

Canori: Also Seifried und Canori spielen in der gleichen Liga.

Standard: Welches Wahlziel setzen Sie sich?

Canori: Ich strebe einen Sitz in der Landesregierung an, das heißt elf bis zwölf Prozent.

Standard: Ihr Ziel ist die Wiedervereinigung von BZÖ und FPÖ?

Canori: Das ist mein klares Ziel. Wenn es wirklich ein politisches Erbe von Jörg Haider gibt, dann ist es die Wiedervereinigung aller Freiheitlichen unter dem gemeinsamen Dach der FPÖ. (DER STANDARD Printausgabe, 9. Februar 2009)

Zur Person

Mario Canori (44) ist Spitzenkandidat der FPÖ bei der Kärntner Landtagswahl. Der Unternehmer ist auch Präsident des Fußballklubs SK Austria Kärnten.

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    Canori könnte sich eine Gabi Burgstaller für Kärnten vorstellen.

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