Mordfall erschüttert Ungarn

8. Februar 2009, 16:18
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Unbekannte überfielen feiernde Veszprem-Spieler - Teamspieler Cozma getötet, mehrere Schwer­verletzte - Drei Festnahmen auf der Südautobahn

Budapest/Veszprem - Ungarns Handballsport wird von einer Tragödie erschüttert. Bei einer Feier des ungarischen Meisters MKB Veszprem in einer Diskothek kam es in der Nacht auf Sonntag zu einem Überfall von 30 Unbekannten, bei dem der rumänische Nationalspieler Marian Cozma (26) von einem Messerstich tödlich verletzt wurde. Dem kroatischen Torhüter Ivan Pesic (20) musste nach einem Messerstich die Niere entfernt werden, der serbische Spieler Zarko Sesum (23) erlitt einen Schädelbruch. Der Grund für den Vorfall war vorerst unklar.

Nach Angaben mehrere ungarischer Medien hatten die Veszprem-Spieler im Lokal "Patriota" die Geburt eines Kindes eines Mitspielers gefeiert, als es zu dem Überfall kam. Dem gerade mit seiner Freundin tanzenden, 26-jährigen Cozma, zuletzt mit der rumänischen Nationalmannschaft bei der WM in Kroatien im Einsatz, wurde dabei tödlich ins Herz gestochen. Dem zu Hilfe eilenden Pesic wurde von hinten in den Rücken gestochen. Dabei wurde eine Niere so schwer verletzt, dass sie entfernt werden musste. Sesum, 2006 bester Spieler der Junioren-WM in Innsbruck, wurde so heftig gegen den Kopf getreten, dass er einen Schädelbruch erlitt.

Drei Festnahmen auf der Südautobahn

Die ungarische Polizei suchte am Tag nach dem Vorfall mit einem Großeinsatz nach den Tätern. Am Sonntag wurden drei Ungarn auf der Südautobahn (A2) in der Oststeiermark nach einer internationalen Fahndung wegen Mordes und schwerer Körperverletzung verhaftet worden. Die zwei Männer und eine Frau waren auf der Flucht nach Italien.

Das Motiv hinter der Tat blieb bisher unklar. Ein fremdenfeindlicher Hintergrund wurde zunächst  nicht erwähnt. Einige Quellen berichten, der Streit habe sich entzunden, als die Freundin Cozmas vor der Diskothek angepöbelt worden war.

Laut Medien könnte ein eventuelles Motiv aber auch in Äußerungen von Cozma liegen, der zuletzt erklärt hatte, in Zukunft nicht mehr für die rumänische Nationalmannschaft spielen zu wollen. Cozma war laut der rumänischen Nachrichtenagentur Mediafax 2005 in Bukarest schon einmal niedergestochen und dabei schwer verletzt worden. Der 2,11 m große Kreisspieler, der seit 2006 für Veszprem agierte, hatte am Samstag noch mit vier Toren zum 42:23-Liga-Sieg von MKB gegen Balatonfüred beigetragen. MKB hat 2008 den Europacup der Cupsieger gewonnen.

"Wir empfinden tiefen Schmerz. Es ist fraglich, ob die anstehenden Meisterschaftsspiele wegen der Tragödie stattfinden werden", sagte MKB-Cheftrainer Lajos Mocsai. (APA)

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    Trauernde legen in der Nähe des Tatorts in Veszprem Blumen nieder.

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    Marian Cozma im Veszprem-Trikot im ungarischen Meisterschafts-Endspiel 2008.

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